Rosie Lake | Bei -30 Grad beginnt das Abenteuer

Takeoff bei – 30 Grad.
Das ist der Moment, in dem andere Menschen ihre Heizung ein Grad höher drehen. Und wir ins kleine Flugzeug mit Ziel „Wildnis“ steigen – und uns sogar darüber freuen.

Seid ihr bereit für eine neue Runde Winter-Rosie Lake? Wir waren es im Januar 2026 definitiv und haben die lange Reise wieder auf uns genommen, um einige Wochen am (Achtung, sehr subjektiv) schönsten Ort der Welt zu verbringen…

Unter dem kleinen Propellerflugzeug zieht der weite Yukon vorbei: endloses Weiss. Seen inmitten von riesigen Wäldern, kahle Berghänge, keine Strassen. Alles ist gefroren. Alles ist still. Alles sieht gleich aus. Wer noch nie dort war, fragt irgendwann unweigerlich: „Und wo genau ist jetzt euer Haus?“
Unsere Antwort: „Irgendwo da unten. Im Wald, am See, im Weiss.“

Die Landung erfolgt auch im Winter – selbstverständlich – direkt auf unserem See. Ja, auf dem See. Der ist im Winter viele Zentimeter dick gefroren und tragfähiger als mancher Provinzflughafen. Beim Aussteigen knirscht der Schnee unter den Stiefeln und gefühlt knirschen auch die Nasenhaare. Minus 30 Grad hat eine ganz eigene Geräuschkulisse.

Aber lest nun, was wir so erlebt und geschaffen haben…

Auch dieses Mal ist Claire wieder später als Oliver angereist. Er war schon drei Wochen alleine in der weissen Welt, bevor sie Kurs auf Rosie Lake nahm. Irgendwer musste ja die Hütte aufwärmen vor ihrer Ankunft… Das war auch in diesem Jahr wieder ein längeres Unterfangen:
Der Yukon erlebte im Dezember 2025 über Wochen Temperaturen von bis zu – 55 Grad, und das sogar tagsüber. Die Hütte präsentierte sich Oliver mit – 30 Grad im Wohnzimmer dann auch eher etwas unterkühlt.

Jedes Mal beim Ankommen ist ein klein wenig Anspannung dabei: Ist in der Hütte und auf dem Grundstück alles in Ordnung? Wir haben das kleine Paradies im Herbst wieder der Natur und sich selber überlassen und auf das Beste gehofft. Natürlich bringen wir die Nahrungsmittel vor der Abreise immer geruchssicher verpackt in die kleine Hütte. Natürlich lassen wir keine Fenster im Erdgeschoss ungesichert. Und trotzdem könnten ungewollte vierbeinige Besucher sehr viel Schaden anrichten, wenn wir nicht da sind…

Spoiler: Auch dieses Mal war alles in bester Ordnung. Die üblichen Besucher in Form von Fledermäusen, Mäusen und Mardern war aktiv und haben etwas Dreck hinterlassen. Aber ansonsten war alles kalt und ruhig und da, wo es sein soll. Also hat Oliver sich den wichtigen Arbeiten gewidmet: Erst mal die Ausrüstung vom Landeplatz durch den tiefen Schnee zur Hütte schleppen, einige Paneele abmontieren (Haustüre und ein, zwei Fenster) und Feuer anfachen.

Mit Feuer machen hat er dann auch mal kräftig Gas gegeben die erste Zeit. Die Kälte wollte aus dem letzten Winkel vertrieben werden – und das braucht viel Zeit. Am ersten Morgen zeigte das Thermometer im Schlafzimmer – 10 Grad, in der Stube – 3 Grad. Brr, da lobt man sich die (von Claire) handgestrickten Socken aus kuscheliger Baby-Alpaka-Wolle ☺️.

Nach und nach fütterte Oliver also jeden Tag viel Holz in den grossen Ofen und liess das Feuerchen vor sich hinknistern und knacken. Über Holzmangel musste er sich wahrlich keine Sorgen machen – wir zwei fleissigen Holzfällermeister haben ja im letzten Herbst vorgesorgt und die Holzvorräte waren zu Beginn der Ferien gut gefüllt.

Oliver verbrachte die hellen Stunden des Tages gerne draussen beim Schneeschuhlaufen und werkeln rund ums Haus. Seine Touren im winterlichen Wald fanden bei weniger als – 25 Grad statt und schon bald sah er jeweils aus wie der Samichlaus mit dem weissen Bart.
Aber auch die Erholung kam nicht zu kurz. Er nahm das Sofa inkl. bequemer Verlängerung im Beschlag und genoss den Hüttenluxus in der Einsamkeit, die sich aber doch befreiend und beruhigend anfühlte.

Nach drei Wochen dieser Einsamkeit war es dann allerdings doch soweit – aus mit der Ruhe, der Wirbelwind hält Einzug!

Schon von Weitem sah Claire das Ziel Rosie Lake schnell näher kommen. Der Schnee auf dem See lag glitzernd in der Sonne wie ein eiskalter Teppich für die Landung bereit. Tom, der Pilot von Alpine Aviation, flog eine tiefe Kurve über die Hütte und da sahen wir schon Oliver, der auf dem Liegestuhl mit der Sonnenbrille auf der Nase auf uns wartete.

Sofort nach Claires Ankunft und der herzlichen Begrüssung nach drei Wochen Alleinsamkeit luden wir gemeinsam die 650 Pfund Gepäck aus. 650 Pfund klingt übertrieben? Ist es hier definitiv nicht. Wenn der nächste Baumarkt zwei Stunden mit dem Busch-Flugi entfernt ist, packt man lieber noch ein Ersatzteil mehr ein. Und noch eins. Und vielleicht noch einen grossen Holzofen.

So idyllisch das alles da draussen auf Fotos aussieht, in Wahrheit dreht sich im Winter am Rosie Lake alles um ein Thema: Wärme. Genug Wärme, um nicht zu frieren – und nicht zu viel Wärme, um die Hütte nicht abzubrennen. Und damit kommen wir zu unserem wichtigsten Mitbewohner: dem Holz-Ofen der grossen Hütte.
Er entscheidet, ob der Tag entspannt beginnt und wir abends gemütlich Tee auf dem Sofa trinken – oder der Puls steigt, während die Temperaturen sinken…

Der Flieger hob unverzüglich nach dem Ausladen wieder ab. Nach dem Take-off flog Tom nochmals tief über unsere Köpfe hinweg, bevor er Richtung Nordwest abdrehte und der kleine Punkt am Himmel verschwand.
Lange noch hörten wir das Dröhnen der Cessna bis es in ein leises Brummen in der Ferne überging, bevor es schliesslich ganz still wurde. Und dann standen wir wieder alleine da. Am Rosie Lake. Weiss. Still. Minus dreissig.
Und fühlten uns genau richtig.

Apropos Ofen

Der alte Ofen ist bereits in die Jahre gekommen. Er ist die einzige Heizquelle in der grossen, zweistöckigen Wohnhütte und musste vor allem bei sehr tiefen Temperaturen am Limit betrieben werden. Der Verschluss hatte schon lange eine unfreiwillige „Kindersicherung“ dran: Die Türklappe musste mit einer verbogenen Gabel fixiert werden und auch die Wärmetechnologie ist aus den guten, alten Zeiten. Das heisst, dass wir vor allem im Winter Unmengen von Holz darin versenkten und im Verhältnis dazu eher wenig nutzbaren Gegenwert an Wärme erhielten. Schon zwei Jahre lang war klar, dass wir das Teil früher oder später ersetzen wollen, bevor wir es irgendwann wirklich müssen – oder, noch schlimmer, wir einen Schaden anrichten. Das „Wie ersetzen“ war dann aber lange nicht so klar.

Wir standen schon oft in Whitehorse in Canadian Tire und schauten uns ehrfürchtig die grossen Holzofen an. Daheim surften wir durch Kanada’s Baumarkt-Portale und verglichen die Abmessungen der verschiedenen Varianten mit den in der Stube gemessenen Massen. So lernten wir nebenbei noch die Masseinheit BTU kennen.
Google meint dazu: „Die British Thermal Unit (BTU) ist eine angloamerikanische Maßeinheit für Energie, primär genutzt zur Angabe der Kühl- oder Heizleistung von Klimaanlagen. 1 BTU definiert die Wärmeenergie, um ein Pfund Wasser um ein Grad Fahrenheit zu erwärmen“. Man lernt nie aus.

Noch ein Fakt wurde immer klarer: Wir brauchen viele BTU. Wir wollten kein Risiko eingehen, einen zu schwachen Ofen zu kaufen und wieder am Limit heizen zu müssen. So gingen wir all-in und fassten den Ashley Extra Large Wood Stove ins Auge – hier ist der Name Programm: 152’000 BTU sollten es werden! Die Masse und vor allem das Gewicht liessen uns zwar etwas ratlos zurück. Aber wo ein Wille ist, da wird doch wohl auch Weg sein.

Bevor wir also Nägel mit Köpfen machten, klärten wir mit Alpine Aviation, ob das grosse Paket auch ins kleine Flugi passt. Diese Hürde wurde positiv beantwortet und auch ein Anruf bei HomeHardware in Whitehorse brachte uns mit der Reservation des vorhandenen Exemplars einen kleinen Schritt näher der Wärme. Schlussendlich konnte Oliver bei seinem kurzen Aufenthalt in Whitehorse den Ofen im HomeHardware bezahlen und bis Claire in Yukons Hauptstadt ankam, war er schon in den Hangar geliefert und in der Cessna eingeladen – ready to go.

Um also schon bei diesem Besuch möglichst viel vom neuen Team-Mitglied am Rosie Lake zu haben, sollte der Ofeneinbau gleich einer der ersten Tasks sein. Und wer hier schon etwas vorausdenkt, sieht aber sicher auch die Krux der Geschichte:
Es wird einen Zeitraum geben, in welchem wir den alten Ofen auskühlen lassen und ausbauen müssen -aber noch nicht mit Sicherheit wissen, dass der Einbau des neuen Teils klappt. Bei zweistelligen Minusgraden draussen. Aber ja, auch hier hielten wir uns an unser eigens dafür ausgedachte Plänli. Und das geht so:

Am Tag nach Claires Ankunft genossen wir zuerst bei Kerzenschein einen Kaffee im Bett (wie immer serviert von Oliver – herrlich!), während der alte Ofen die Stube von ca. 5 Grad auf Betriebstemperatur brachte. Hell wurde es sowieso erst gegen 09:30 Uhr, weshalb gar keine Eile geboten war.

Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde es ernst und wir zündeten Stufe 1 des Masterplans: Am Tag zuvor hatten wir dafür den grossen Karton auf dem Schlitten schon zur Hütte gebracht. Dort verbrachte er eine kalte Nacht vor der Haustüre.
Die Lieferung versprach zwar schweisstreibende Arbeiten – aber davor musste noch der Sockel zusammengebaut und am Ofen montiert werden. Zu zweit studierten wir die Anleitung und diese Schritte waren noch recht harmlos. Die Schrauben passten und die Teile fügten sich logisch und sinnvoll zusammen.

Für den nächsten Schritt schlüpften wir in unsere Outdoor-Ausrüstung. Heisst: Rein in die lange Unterhose, Daunenüberhose drüber, Funktionsshirt an, Pulli dazu, Buff um den Hals, Kappe oder Stirnband, dicke Winterstiefel an die Füsse und die Finger in gefütterte Winter-Arbeitshandschuhe packen. Eingepackt wie das richtige Michelin-Männchen ging es nach draussen zum Ofenkörper. Das Montieren des Sockels am liegenden Ofen war dann noch keine richtige Herausforderung.
Aber nun kam die erste richtige Schlüsselstelle: Der Ofen musste über den Sockel um 90 Grad gedreht und aufgerichtet werden. Für kurze Zeit würden also knapp 170 kg auf dem Sockelrand balancieren. Würde er das aushalten? Und wir erst?

Wir diskutierten hin und her und überlegten auch, den Ofen liegend in die Stube zu bringen und mittels eines Flaschenzugs aufzurichten. Einige Ideen später befanden wir aber „no risk – no fun“ und versuchten einfach, den Ofen in einem beherzten, schnellen (haha, 170 kg!) Schwung aufzurichten. Augen zu und durch.
Und siehe da! Manchmal kann man sich auch zu viel Gedanken machen – zack, stand er Ofen auf dem Schlitten und wartete auf Stufe 2 🥳.

Stufe 2 nach Gärber-Plan besagte, dass wir mit dem Ein-Heizen beginnen. Ein Ofen – und das haben wir schon beim Sauna-Ofen im Herbst 2024 gelernt – muss jeweils in 3 – 4 Schritten in Betrieb genommen werden. Man fängt mit einem kleinen Feuerchen an, lässt es ausgehen, macht nochmals Feuer, dieses Mal etwas mehr und beim dritten oder vierten Mal kann man schon gut Holz reingeben. Mit der zunehmenden Wärme verflüchtigen sich die giftigen und stinkenden Beschichtungen auf dem Ofen, die bei der Produktion aufgebracht werden, um das Material langlebiger zu machen. Wir steckten also ein einfaches Ofenrohr drauf und Oliver schichtete vorsichtig und kunstvoll etwas Karton und Holzspänli, um dann den grossen Moment des ersten Funkes fotografisch festzuhalten – tadaa, das Feuerchen brannte!

Wie beschrieben folgten nun ein paar Durchläufe, bei welchen wir draussen aktiv an der Klimaerwärmung arbeiteten. Etwas ratlos waren wir was den „Zug“ betraf. Immer, wenn wir die Türe schlossen, ebbte das Feuer ab und erstarb fast. Wir versuchten allerlei Tricks dagegen – ohne Erfolg. Wenn das später in der Hütte auch so sein sollte, hätten wir ein Problem. Wir trösteten uns aber mit dem Gedanken, dass die Physik uns helfen würde und durch die Länge des Ofenrohrsystems bis zum Dach hinauf genug Zug entstehen würde, dass wir die Ofentüre schliessen können, ohne dass das Feuer ausgeht. We will see…

Wir beschlossen, den Ofen nun auskühlen zu lassen und morgen mit der nächsten Stufe weiterzumachen. Und weil nur Bewegung zufrieden und müde macht und wir eh schon dick angezogen waren, schlüpften wir in unsere Schneeschuhe für eine kleine Erkundungsrunde. Dafür hat Oliver die zwei alten, tennisschläger-ähnlichen Paar Schneeschuhe aus dem Rosie-Fundus hervorgeholt. Im Vorfeld hatten wir extra neue Bindungen bestellt und nach Whitehorse liefern lassen. Diese Anschaffung machte sich jetzt mehr als bezahlt. Statt der Plastik-Fummelei der europäischen Schneeschuhe konnten wir die neuen Bindungen einfach und schnell festzurren – und sie halten bombenfest an den Füssen. Eine neue Ära Schneeschuh-Komfort hat Einzug gehalten.
Los ging’s dem Race-Track entlang, den Oliver in den letzten Wochen für Claires Lauftraining angelegt hatte. Das war eine Spur hinter der kleinen Insel entlang bis zur Hälfte des Runways. Leider war noch viel Overflow auf der Spur, weshalb an Lauftraining noch nicht zu denken war. Weiter ging die Tour zum nordwestlichen Seearm und einigen Elchspuren entlang durch den Wald. Schnell kann man die Orientierung im Winterwald verlieren. Das würden wir in den nächsten Wochen noch auf die harte Tour lernen – aber dazu später mehr…

Der Abend endete nicht minder gemütlich als der Tag angefangen hatte. Nach einer leckeren Portion selbstgemachter Bolognese machten wir es uns auf dem grossen Sofa bequem und sinnierten nochmals über die nächsten Stufen unseres Ofenplans. Morgen dann… Gute Nacht!

Neuer Tag, Stufe 3. Los geht’s.
Wetten wurden entgegen genommen: Wann wird das erste Feuer im neuen Ofen angezündet? Oliver schrieb 14:45 Uhr auf den Zettel, Claire notierte 15:33 Uhr. Wir werden sehen…

Wieder – und hoffentlich zum letzten Mal – heizten wir dem alten Ofen so richtig ein (Oliver stand dafür schon um 5:30 Uhr auf!). Wir wollten so viel Wärme wie möglich im Haus haben. Einerseits, weil wir danach die Ofenrohre abtrennen wollten, andererseits, weil wir später wohl immer wieder die Haustür aufmachen mussten und so der Kälte Tür und Tor öffneten. Bei kuscheligen (plus!) 12 Grad konnten wir also Frühstücken und natürlich drehte sich das Gespräch hauptsächlich rund um die nächsten Schritte. Sollten wir nun ein Flaschenzugsystem bauen oder wollten wir einfach mal versuchen, unsere Muskeln spielen zu lassen?

Nach ein bisschen Hin und Her hatten wir eine grobe Vorstellung über den Ablauf. Wir begannen damit, eine Ära zu beenden und schraubten die Ofenrohre auseinander. Sie waren ziemlich verklemmt, aber mit etwas Elan schafft man das. Als die Rohre, aufgehängt und stabilisiert durch ein Seil, frei hingen, machten wir das neue Ungetüm draussen zügig reisefertig für den kurzen Weg in die gute Stube. Auf dem Schlitten schoben wir die ganze Fracht über den Parkettboden direkt ins Wohnzimmer. Dass die Türbreite passt, wussten wir – Planung ist nämlich die halbe Miete.

Nun stand der Neue in seiner ganzen Grösse neben dem vorgesehenen Standort. Wir mussten also „nur“ noch den alten Metallriesen von seinem lange angestammten Platz schieben und heben, um Platz zu machen. Er war unglaublich schwer und sperrig und wir liessen ihn erstmal vor dem Sofa stehen, um mit den nächsten Schritten weiterzumachen. Der nächste Task war ein Kübel mit warmen Wasser und viel Seife. Die Fläche hinter dem Ofen war wohl länger nicht gereinigt worden. Kuriose (wie ein Hundespielball) und sinnvolle (Ofenputzzubehör) Dinge kamen zum Vorschein und wir putzten das Meiste an Dreck weg. Nicht alles, aber ein bisschen Patina muss auch sein.

Und da standen wir nun. Ganz ohne Ofen, die Ofenrohre voneinander abgetrennt, der neue Kollege in den Startlöchern, wir aber noch nicht am Ziel. Und draussen waren es ungefähr – 15 Grad.

Eine letzte Absprache brauchte es noch: Wir berieten, wie der neue Ofen nun noch vom Schlitten auf die Fliesenfläche kommen sollte, wo genau er platziert werden würde und sammelten dann unsere ganzen Kräfte für die 170 kg aus Metall!

Schlussendlich war es auch hier nicht ganz so dramatisch wie wir gedacht hatten. Mit vereinten Kräften, etwas Heben, Ziehen und viel gutem Willen stand der Ofen schliesslich am gewünschten Ort. Nicht zu nah an der Wand und doch weit genug vom Sofa weg.
Wir konnten bereits mit der Rohrmontage beginnen. Dazu wollten wir so viel der alten 7-Inch Rohre wie möglich nutzen und nur der erste Meter ab Ofen (nur 6 Inch Durchmesser) sollte neu sein. Entsprechend zirkelten wir die einzelnen Elemente inkl. dem Erweiterungsstück nach unserem Plan in die richtige Richtung und steckten die Rohre zusammen. Unsicher waren wir, ob wir schlussendlich eher 5 cm zu viel Rohr oder 10 cm zu wenig Rohr haben würden. Aber wenn es mal läuft, dann läuft’s: Die Rohre haben genau gepasst und wir hatten innert Kürze ein ganzes System, das vielversprechend aussah.

Also galt es, keine Zeit zu verlieren und wieder schichtete Oliver Karton und Feuerholz in die Brennkammer. Ein Blick auf die Uhr zeigte: Wir waren weit weg mit unseren pessimistischen Schätzungen zum ersten Einheizen! Um 12:05 Uhr brannte das erste Feuer im neuen Ofen – und das (zufälligerweise) am 26. Januar 2026, unserem 18. Jahrestag 😍

Das Feuer begann zu knistern und der Rauch zog tadellos durch das neu zusammengesteckte Ofenrohrsystem Richtung Himmel. Keine Rauchentwicklung in der Stube, nur zarte, zunehmende Wärme war dem Ofen zu entnehmen und wir konnten aufatmen! Das war ein grosses Projekt für uns und wir waren froh, es so schnell und unkompliziert über die Bühne gebracht zu haben.
Call us Cheminéebauer 😉🎉

Erkundungen im Winter-Wonderland

Das Leben besteht auch am Rosie Lake nicht immer nur aus Arbeit. Das haben wir uns dieses Mal ganz besonders zu Herzen genommen und die Motorsäge gleich ganz im Winterschlaf gelassen. Dafür haben wir die Möglichkeit des Schnees genutzt, um auch mal Ecken zu erkunden, die im Sommer und Herbst sehr unwegsam sind. Im Herbst zwängen wir uns auf Ausflügen durch Gestrüpp, ärgern uns über Sumpfflächen und lassen uns vom Unterholz zerkratzen. Diese Sorgen hat man im Winter nicht. Die Natur ist mit einem dicken, weissen Teppich zugedeckt, auf dem es sich (zumindest während Claires Aufenthalt) mit Schneeschuhen sehr kommod gehen lässt.

Oliver hat schon alleine einige Touren gemacht und von den Ausflügen geschwärmt. Das wollte Claire sich natürlich nicht entgehen lassen und so stapften wir viele Kilometer durch die Winterlandschaft. Hier die Ausflüge in Claires Favoriten-Reihenfolge (Oliver würde sie vielleicht anders ordnen – aber wer schreibt, gewinnt 😉):

1. South Lake
Was für eine herrliche Wanderung! Die Spuren für diesen Ausflug haben wir schon während einer kleinen Tour an Claires drittem Tag gelegt. Beim zweiten Mal machten wir nicht schon anfangs South Lake Kehrt, sondern marschierten weiter auf den gefrorenen See. Weit und breit war nichts ausser Schnee, Bäume und Ruhe. Wir liefen dem Ufer entlang und genossen die frische Luft in der Sonne. Beim Loslaufen schneite es noch und der Himmel war verhangen, nach und nach lupften sich die Wolken aber, bis wir etwas später richtig tolles Wetter geniessen durften.
Im Gänsemarsch ging es nach der Seeumrundung wieder auf unseren Spuren in Richtung Hütte zurück. Die letzten 3 Kilometer waren dann doch noch etwas monoton und eigneten sich für ein Auspowern, aber auch den Rosie Lake brachten wir hinter uns.

12.6 km und gute 4 Stunden später waren wir wieder daheim und konnten uns ans wohlverdiente Abendessen machen: Steaks vom Lagerfeuer mit Salat – yammi!

Und hier das Fazit zur Tour 😅

2. Frances River – oder auch: „Navigation für Dummies“
Ja, den Weg zum Frances River – unsere „Renn-Strecke“ – kennen wir vom Frühling und Herbst nur zu gut. In den eisfreien Ferien fischen wir am Fluss nach Aeschen und sind immer sehr erfolgreich. Für Oliver war klar, dass wir das auch mal im Winter probieren müssen und so hat er diesen Ausflug als Minimum-Ziel gesetzt.
Das würde eine etwas grössere Runde werden und so standen wir für einmal etwas früher auf und packten unsere Rucksäcke, während draussen langsam der Tag Einzug hielt. Was braucht man für eine Winter-Fischer-Runde überhaupt alles? Naja, wenn man Claire fragt: viel warme Kleidung! Sie packte Ersatzsocken, zusätzliche Leggings, einen dicken Wollpulli, eine Faserpelzjacke, die dicke Daunenjacke und Ersatzhandschuhe in ihren Rucksack – wer will denn beim Warten bis die Fische beissen, frieren??
Zusätzlich wanderten unter anderem der kleine Gaskocher, zwei Tassensuppen, einige Teebeutel und Olivers Fischerausrüstung ins Gepäck.

Frohen Mutes und mit einem warmen Porridge im Magen stapften wir also bei moderaten – 6 Grad mit dem obligatorischen Schneeschuhen an den Füssen um kurz nach halb zehn los. Die Sonne lachte heute nicht vom Himmel, aber das hält uns nicht auf, wenn wir ein Ziel haben. Erst mal ging es einen guten Kilometer über den Rosie Lake, bevor unsere Spur von vor einigen Tagen sich weiter in den Wald schlängelte. Wir wissen ganz genau, wie der Weg ohne Schnee aussieht – aber im Winter ist es wirklich einfach nur weiss und alles sieht gleich aus. Besonders gefreut haben uns über die Passagen bei den beiden Sümpfen. Sonst müssen wir fluchend drumrum kraxeln und die Grasnaben genau treffen, um keine nassen Füsse zu riskieren. Heute hatten wir für den Sumpf nur ein müdes Lächeln übrig und stapften entschlossen mittendurch – oder eben oben drüber (heute wirklich mal nach dem Motto „Sumpf isch Trumpf“ 😎)


So ging es ungefähr 3.5 Kilometer weit, bis wir nach dem „guten Wald“ (ja, der heisst tatsächlich so – weil er eben gut zu gehen ist im Herbst 😅) rechts abbiegen wollten, um zu einer bestimmten Stelle am Fluss zu kommen. Die Karte auf dem Handy, welche Oliver mit dem Satelliten-inReach verbunden hatte, zeigte den richtigen Ort an, um den Kurs von West auf Nord-West zu ändern. Gesagt, getan. Weiter ging’s, Claire in Olivers Spuren tapfer Schritt für Schritt durch den Schnee, um Bäume herum, an Sträuchern vorbei, mit dem gewohnten Bild aus weiss.

Nach einiger Zeit blieb Oliver stehen und schaute etwas verwirrt und irritiert umher: Ob wir wohl im Kreis gelaufen sind? fragte er sich. Er checkte nochmals die App und tatsächlich waren wir weit weg von einer graden Linie. Also, eine kleine Kurskorrektur und weiter ging’s – bis: Ja Heimetland! Bis wir tatsächlich unsere eigenen Spuren im Schnee kreuzten! 🤣 Wir waren tatsächlich im Kreis gelaufen 🙈

Da gibt’s nur eins: Himmelsrichtungen sortieren und nochmals versuchen. Oliver ging wieder voran und kurz bevor es ein zweites Mal schief ging, blieb er stehen und horchte in den Wald hinein: Hören wir etwa einen Fluss rauschen?? Die Kappe über die Ohren heben und noch ein bisschen genauer hinhören… Ja! Definitiv, wir hörten den Fluss, bogen scharf rechts ab – und waren kurz darauf tatsächlich genau an der angepeilten Stelle! Zufälle gibt’s… 😅
Friedlich und eiskalt floss der Frances River durch die winterliche Landschaft. Obwohl es in den letzten Wochen so unglaublich kalt war, war er nicht gefroren, sondern komplett offen. So blieb uns der Übergang zu den wirklich guten Fischer-Spots leider verwehrt.

Trotzdem packte Oliver sofort die Fischerausrüstung aus, stellte sich ans Ufer und warf die Angel aus. Zwei Mal, drei Mal… viele Male. Hier wollten die Fische offenbar noch nicht beissen.
In der Zwischenzeit hat Claire die erste Stufe ihrer Wärmeschichten aus dem Rucksack geklaubt und stand dick eingepackt am Ufer. Sie liess den Blick über die Ruhe der Szenerie schweifen und genoss den Augenblick.
Als nach einiger Zeit noch immer keine Fische in Sicht, geschweige denn am Haken waren, entschlossen wir uns, es noch an einer anderen Stelle zu versuchen. Dafür packten wir unsere Siebensachen wieder in die Rucksäcke und schnallten sie auf den Rücken. Am Waldrand und am Ufer ging es dem Fluss entlang Richtung Süden. Auf halbem Weg kamen wir an der kleinen Blockhütte vorbei, welche wir schon von anderen Ausflügen kennen. Immer noch war niemand zu Hause. Heisst also, dass es hier (wieder) keine Kaffee-Einladung geben würde und somit sind wir weitergestapft.

Auf der Höhe von unserem Trail nach Hause fischte Oliver nochmals eine Runde – jedoch wieder eine erfolglose Runde. Obwohl diese Tierchen doch auch im Winter irgendwo sein müssen, gierig auf den Köder waren sie (zumindest heute) nicht. Nach einiger Zeit machte Oliver Schluss für heute und versorgte die Ausrüstung wieder im Rucksack. Bisher hatten wir – ausser dem Frühstück, was schon viele Stunden her war – noch praktisch nichts gegessen und so packten wir doch noch den Gaskocher aus, um vor dem Heimweg einen Tee zu kochen und ein Stück Fladenbrot sowie einen Müesliriegel zu verdrücken. Unser Platz dafür war jedoch dem Wind etwas ausgesetzt und entsprechend eher kalt. So verweilten wir nicht lange und machten uns bald auf den Rückweg. Immerhin lagen noch 5 Kilometer vor uns, die uns vom warmen Ofen trennten.

Nach über 8 Stunden und 15 Kilometern konnten wir etwas später das am Vortag gekochte Gulasch so richtig geniessen!

3. West Lake
Unsere Namensgebungen sind einfach originell, ich weiss.
Es war mal wieder Schuelreisli angesagt und wir schnürten die Stiefel und schlüpften in die Schneeschuhe. Heutiges Ziel: Der See westlich von Rosie Lake. Oliver war schon mal da bevor Claire ankam, also sollte das eine lockere Sache werden.
Bei wiederum eher mauem Wetter (dichter Schneefall, „Rosie Lake: Pulver gut“) ging es gute zwei Kilometer über den See. In der kleinen Bucht, welche uns auch im Herbst super gefällt und wir oft mit dem Kanu besuchen, hängten wir einen grossen Steak-Knochen an einen Baum und platzierten die Wildtierkamera. Mal schauen, ob das was wird… (kleiner Spoiler: der Knochen war einige Tage später tatsächlich weg, aber die Linse der Kamera war so beschlagen, dass wir den kleinen Finder dieses Fleisch-Schmankerls nur erahnen konnten 😆).

Nach der Bucht ging’s direkt in den Wald. Die Spuren von Olivers letztem Ausflug waren praktisch nicht mehr zu sehen. Also spurte er neu und ich stapfte brav hinterher. Schneeschuhlaufen fühlt sich auf dem ersten Kilometer immer etwas anstrengend an, danach wird es aber so monoton in der Ruhe und Stille der Wildnis, dass es schon fast meditativen Charakter hat.

Nach einiger Zeit kamen wir zu einem kleinen See und hielten Ausschau nach Tieren. Es war weit und breit nichts in Sicht ausser alten Elchspuren und so zogen wir weiter. Es ging über einen kleinen Hügel und hinunter zum Westlake. Auch auf dem West Lake gab es einiges an Overflow.
Aber was ist nun genau dieser Overflow? Hier kommen wir gerne unserem Bildungsauftrag nach. Voilà:

Es gibt verschiedene Faktoren, die kleine Risse in der Eisdecke provozieren. Auch wenn die Eisdecke noch so dick ist. Das kann zum Beispiel viel Schnee sein oder auch schwankende Temperaturen. Wenn dann Wasser durch diese Risse hochdrückt und auf das Eis aufläuft, isoliert der Schnee dieses Wasser so gut, dass es nicht gefriert. So entsteht eine „Sandwich-Konstruktion“ aus (von unten gesehen) Wasser, Eis, Wasser, Schnee. Wenn man dann ohne Schneeschuhe gemütlich auf dem See dahinspaziert, kann es durchaus vorkommen, dass man plötzlich knöcheltief im „Wassermatsch“ versinkt. Das ist grundsätzlich erstmal nicht gefährlich, da unten genügend dickes Eis ist, aber nasse Füsse bei kalten Temperaturen machen einfach keinen Spass (ja, und irgendwann wird das dann doch auch gefährlich).

Schwierig ist der Overflow jedoch in der Buschfliegerei. Sollte ein Flieger nach dem Landen im Overflow stehen bleiben, kann es gut und gerne sein, dass er bei kalten Temperaturen sehr schnell festfriert und nicht mehr loskommt. Unsere Piloten fliegen daher zuerst immer ein paar Touch-and-Goes. Sollte es Overflow haben unter dem Schnee, verfärbt sich der Schnee nach dem Touch-and-Go durch das Wasser dunkler. So weiss der Pilot, dass er eine andere Stelle zum Landen suchen muss…
Tja, Overlfow ist also wirklich mühsam, wenn es ums fliegen geht. Wenn man den Overflow aber früh genug entdeckt, kann man ihn mit den Schneeschuhen „provozieren“ und bei kalten Temperaturen friert die Stelle auch relativ rasch durch und man hat wieder eine stabile Ausgangslage. (Auch) aus diesem Grund haben wir während der Ferien fleissig Runway-Maintenance gemacht, um dafür zu sorgen, dass wir für den Rückflug eine sichere Landbahn nahe der Hütte anbieten können (man ist ja auch ein bisschen eigennützig 😉).

Ein anderes Phänomen sind die kreisrunden Löcher, die sich aufgrund von zum Beispiel Pflanzen unter Wasser ergeben können. Dort treten Gase auf und bilden instabiles Eis und eben diese Löcher (hier mit vielen Wasserfliegen). Der See ist auch im Winter voller Überraschungen.

Zur Runway-Maintenance später mehr. Erstmal waren wir ja auch dem West Lake. Nach ca. einem Drittel der Seelänge bogen wir spontan rechts in den Wald ab. Dahinter sollte es laut Karte noch einen kleineren See geben und von dort aus wollten wir über einen Hügel unsere Spur vom Hinweg treffen (rot gestrichelte Linie). Und so den Heimweg um ca. 5 Kilometer abkürzen (jaja, der Satz „ich kenne da eine Abkürzung…“ ist wohl allgemein bekannt…).

Beim kleinen See sahen wir einen grossen Schneehaufen, hier lebte ziemlich sicher die Familie Biber, wenn auch jetzt Winterruhe herrschte. Wieder war weit und breit nichts und niemand zu sehen. Also stapften wir bei immer noch dichtem Schneefall weiter in die angepeilte Richtung. Wir machten eine kleine Senke in der Hügelkette aus, da wollten wir drüber, um auf der anderen Seite auf unsere Spuren zu treffen. Im Wald das altbekannte Bild aus verschneiten Tannen und Sträuchern. Oliver ging voran und schon bald hatten wir den „Peak“ erreicht und es ging auf der anderen Seite wieder runter.

Ziemlich erstaunt hielt Oliver abrupt inne: Warum war hier ein See?? Da sollte vieles sein, aber gemäss Karte sicher kein See. Zum Spass meinte ich hinter ihm: „Schau mal nach rechts, ob da ’ne Biberburg steht“. Und tja, was soll ich sagen… Die (selbe) Biberburg, die wir schon mal bewundert hatten inkl. unseren Spuren lagen schon wieder etwas verschneit vor uns. Aiaiai, wir hatten uns schon wieder im Kreis verlaufen! Und es wurde nicht besser. Unsere Versuche, uns im dichten Schneefall ohne Orientierung an den Hügelketten zurechtzufinden, scheiterten. Mittlerweile war es bereits 15:30 Uhr und wir waren noch ziemlich weit weg von zu Hause. Wir berieten uns nochmals, was nun die beste Variante wäre – und waren uns dann schnell einig: „Better safe than sorry“. Wir drehten also um, und marschierten auf unseren Spuren den ganzen, langen Weg via West Lake zurück. So waren wir also knapp zwei Stunden später daheim, waren aber immer noch im Hellen unterwegs, was immer unser Ziel ist.

Wieder einmal zeigte uns die Wildnis, dass zwei Büroleute durchaus Grenzen kennen sollten. Der Winter bietet immernoch den Vorteil, dass man einfach wieder den Spuren nach Hause folgen kann. Diese Erfahrungen haben uns aber gezeigt, dass wir vielleicht auch im Sommer und Herbst etwas vorsichtiger mit der Navigation umgehen müssen…

4. Rosie Lake, Runway 35R
Oliver träumt davon, Rosie Lake auch im Winter zu Fuss zugänglich zu machen. Im Sommer ist das mit dem Kanu über den grossen Frances Lake und weiter als Wanderung auf dem Trail möglich. Es ist ein beschwerlicher Weg von Whitehorse nach Rosie Lake, der bei optimalen Bedingungen (Rückenwind am Frances Lake und lange Tageslicht im Sommer) gut und gerne mindestens zwei Tage in Anspruch nimmt. Oliver hat diese Reise bereits gemacht, Claire wird es im Herbst 2026 alleine machen.
Im Winter ist natürlich auch noch der Frances Lake, vor allem aber der Frances River „im Weg“. Auf unserem Ausflug zum Fluss haben wir gesehen, dass er komplett eisfrei und an ein Überqueren mit Schneeschuhen nicht zu denken ist. Oliver hat hier Fantasien mit Packrafts und Wintertrails in Richtung Campbell Highway… Claire ist weit davon weg, sich so was überhaupt vorstellen zu wollen. Sie friert einfach unglaublich ungerne.

Lange Rede, kurzer Sinn: Im Winter ist der Runway sehr wichtig. Nicht, dass wir überhaupt wieder zurück in die Zivilisation wollten, aber wenn wir länger bleiben würden, wäre ja dann auch mal ein Versorgungsflug nötig – und da wird der Runway wieder wichtig ☺️

Also blieb uns nichts anderes übrig, als mit den Schneeschuhen oft (also ganz, ganz oft) rauf und runter zu tappen und die Landebahn auszuflachen. Vor allem, wenn Neuschnee gefallen war oder starker Wind die Ränder verwehte, war das Unterfangen nicht ganz einfach. Es war dann mehr ein „Stapfen nach Gefühl“. Man drückt den neuen Schnee nieder und wenn man das Gefühl hat, es hat etwas mehr Tiefschnee, ist man garantiert etwas zu weit vom Pfad abgekommen. Vor allem zwei Tage vor der Abreise fiel viel Neuschnee, kombiniert mit einem regelrechten Sturm sahen wir am Tag danach keine einzige Kontur mehr und konnten wirklich nur erahnen, wo unter dem Neuschnee eine Piste ist. Hilfe hatten wir durch zwei kleine Bäumchen, die auf der Südseite den Anfang der Landebahn markierten. Bei schlechter Sicht, sah man diese aber auch erst reichlich spät, konnte danach aber zumindest wieder korrigieren…

So vergingen viele Stunden in der frischen Luft und nach einiger Zeit schätzt man die Monotonie der Arbeit. In der Weite des Sees kann man den Gedanken so richtig freien Lauf lassen.

5. Diverse „Kurz-Trips“
Natürlich gab es auch einige weitere Erkundungen und Spaziergänge mit Schneeschuhen an den Füssen. Mal zog es uns in kleine Wälder, die wir im Sommer nicht gut erreichen, mal quer über den See. Wir waren jeden Tag einige Stunden draussen unterwegs, die Schneeschuhe ermöglichen einen guten Radius. So waren wir abends müde von der vielen frischen Luft, aber auch zufrieden und hatten einen guten Appetit. Das Hüttenleben kam nämlich auch nicht zu kurz…

Hütten-Lifestyle im Winter

Auch im Winter wird es uns nicht langweilig. Die ganz alltäglichen Dinge wie einheizen, kochen, abwaschen, der WC-Service, Holz holen, ab und zu Brot backen und das Dach von Schnee befreien müssen auch sein, wenn es draussen richtig kalt ist oder es dicke Flocken schneit. Zwei Mal gab es leckere Steaks vom Feuer. Oliver war Herr des Lagerfeuers und nach dem Essen nutzten wir das Feuer auch gleich zum Verbrennen von einigem Abfall. So landete beispielsweise das Spanplatten-Palett vom neuen Ofen auf dem Feuer und auch ein paar alte Dinge aus Rosies Zeiten.
Für den Haushaltsabfall haben wir immer zwei Abfallsäcke im Wintergarten: einer für brennbare Abfälle und einer für Abfälle, die wir später beim Ausfliegen mitnehmen (Glas, Dosen, Batterien etc. und dieses Mal auch noch einen alten Brotbackofen der Vorgänger).
Den Haushaltsabfall verbrennen wir jeweils ein Stück weit hinter dem Haus, wo noch alte „Burn-Barrels“, alte Ölfässer, stehen. Das ist (vor allem im Herbst) sicherer als ein Lagerfeuer zu machen. Auch dieses Mal gab es drei Runden Burn-Barrel.

Oliver hat im Ganzen drei Mal Brot gebacken. Zwei Mal gab es Brot vom „Road-Baker“, den wir bequem auf dem Gasherd nutzen können. Eine Brot-Back-Runde mit der kleinen Dampf-Lok hat er sich aber auch nicht entgehen lassen. So sass er einmal mehr zufrieden draussen am Holzofen und regulierte die Holz- und Luftzufuhr. Der positive Nebeneffekt dieser Art von Brot backen ist, dass wir so unsere kleine Outdoor-Popcorn-Maschine haben und zum Apéro-Bierchen auch noch in den genuss von frischem, warmen Popcorn kommen.

Und weil wir ja noch nicht genug eingeheizt haben, gönnten wir uns auch noch einige Sauna-Abende. Dafür müssen wir den kleinen Sauna-Ofen im Winter richtig gut und über ca. eineinhalb Stunden anfeuern (je nach Minusgraden bis über seine Grenzen hinaus, so dass man ab und zu die Seitenwände zum Glühen bringt…).
Bei kuscheligem Lichterketten-Licht und dem Knistern und Knacken im Ofen schwitzen wir auf der grossen Bank vor uns hin und atmen den feinen Eukalyptus-Duft vom Aufguss ein. Abgekühlt wird selbstverständlich draussen an der frischen Luft und mit viel Schnee. Eine herrliche Sache! Nach der Sauna, während welcher ein grosser Topf Wasser auf dem Gasherd zum Sprudeln gebracht wird, duschten wir uns draussen auf der Veranda ab: Mit einem kleinen Schöpfer wird gut temperiertes Wasser über den Körper geleert, was auch bei zweistelligen Minusgraden durchaus gut möglich ist.

So geputzt und gestriegelt war es auch schon an der Zeit fürs Abendessen. Wieder gab es allerhand Leckereien. Von Gulasch, über selbstgemachte Bolognese, Wraps und Steaks über Eintöpfe bis Salat-Bowls war alles dabei. Wie gesagt, viel frische Luft und Bewegung machen Appetit. Nach dem Essen klopften wir meistens noch einen Watten, bevor die Abwasch-Crew ihren Dienst aufnahm. Dank des neuen Holzofens in der Stube war praktisch immer richtig heisses Wasser im Kessel parat. So ging der Abwasch zügig vonstatten und nix stand einem gemütlichen Filmeabend mit Netflix auf dem Sofa am Holzofen im Weg.

Rund um die Tier-Welt

Worüber wir noch nicht viel erzählt haben in diesem Winter, sind die Viecher. Im Winter braucht man sich (meist) keine Sorgen über Bären zu machen. Die halten für gewöhnlich Winterruhe und so bleiben noch die Elche und Wölfe übrig, wenn man an grössere Tiere denkt. Wölfe hatten wir im letzten Herbst ein paar Mal auf unseren Wildtierkameras „eingefangen“. Auch Elche gibt es zahlreich in der Umgebung. So waren wir gespannt…

Und tatsächlich hatten wir im Herbst nach unserer Abreise noch regen Wolfbesuch hinter der Hütte. Auch ein Elch spazierte gemütlich durch unseren Vorgarten und genoss wohl die Ruhe, die nach uns eingekehrt war. Wunderschöne Bilder, die wir immer wieder gerne anschauen.

Beim Winter-Aufenthalt waren es nun aber die Elche, die dominierten. Oliver sah natürlich noch mehr, da er länger da war, aber auch Claire hat einige Exemplare mal näher, mal weiter weg bewundern dürfen. Es waren nicht die ersten Elche, die wir sahen, und doch ist man immer wieder erstaunt, wie unglaublich gross sie sind und wie elegant sie sich trotz ihrer Grösse bewegen. Einsam zogen sie durch die Winterwelt, wir schauten zu, wie sie Löcher in den Schnee auf dem See gruben, um Wasser zu trinken und wie sie danach mit ihren langen Beinen durch den tiefen Schnee staksten.

Das Ganze gibt’s auch in bewegten Bildern:

Eine kleine Jagd durften wir zufälligerweise auch beobachten: Zuerst flitzte ein Hase vor unserem Fenster quer durch den Garten – dicht gefolgt vom kleinen, vorwitzigen Marder. Diese beiden hatten wir auch schon im Herbst oft auf der Kamera. Der Hase hatte seine Fellfarbe gewechselt und war nun im Winter sehr viel heller, obwohl man die braunen Haare noch durchschimmern sah. Der Marder jagte den Hasen in schnellen Sprüngen und nachdem sie das Haus zwei Mal umrundet hatten, verschwand der Hase auf den See hinaus. Etwas später der Marder hinterher. Für uns war der Fall erledigt – wir sahen nicht mal mehr Pünktchen im Weiss.
Also machten wir mit unserem Programm weiter: Anziehen für Runway-Maintenance. Draussen stapften wir hin- und her und Oliver nahm sich auch noch den Racetrack hinter der kleinen Insel vor.

Irgendwann sah Claire ihn mit der grossen Fotokamera in der Hand wieder hinter der Insel hervorkommen und er zeigte ihr die Fotos, die er kurz zuvor gemacht hatte. Zu sehen war ein grosser Greifvogel, der sich offenbar das kleine Hasi von vorhin geschnappt hatte. Auf dem Boden waren noch die Blutspuren zu sehen, vom Hasen selber aber nichts mehr. Fast nichts mehr – auf dem einen Foto war der Marder zu sehen, wie er sich auch einen Teil der Beute geschnappt hat. Armes Hasi. Aber so schliesst sich der Kreislauf der Natur und mit Hilfe des Greifvogels war der Marder doch noch zum Erfolg gekommen.

So gingen die Tage ins Land. Das Wetter war während Claires Aufenthalt eher auf der bewölkten Seite. Deshalb nutzten wir den einen Nachmittag, als die Sonne durch die Wolken kam, sofort, um noch etwas Champagner-Klima-Feeling zu geniessen. Wir waren schon auf dem Weg zum Runway, um unsere üblichen Kilometer abzuspulen, da lachte uns die Sonne ins Gesicht – also machten wir kurzentschlossen Kehrt und holten die Liegestühle aus dem Wintergarten. Auf der Fläche, die wir für den Flieger bereit machten, liess es sich auch herrlich auf Rosie Lake anstossen 😎

Auch die winterliche Stimmung hat alles gegeben. Wir zeigen euch gerne ein paar Eindrücke aus der kalten Welt, welche uns oft einfach sprachlos dastehen lassen und ganz ohne Worte für sich sprechen…

Alles hat ein Ende…

Einige Tage vor der geplanten Abreise tippten wir ein inReach-SMS an Gerd, den Chef von Alpine Aviation und fragten, ob Montag zum rausfliegen noch wie geplant klappt. Am Nachmittag kam dann die Antwort, dass es wettermässig besser wäre, schon am Sonntag zu fliegen. Risiko konnten wir keines eingehen, hatten wir doch wieder den Frühflug am Dienstag um 5:30 Uhr ab Whitehorse nach Vancouver auf dem Plan. Also sagten wir zähneknirschend zu – auf weitere 24 Stunden Whitehorse hatten wir eigentlich keine Lust. Um dann doch noch das Beste daraus zu machen, baten wir Alpine, uns ein Mietauto zu reservieren und schon mal die zweite Hotelnacht dazuzubuchen.

Der Tag der Abreise kam näher und weil vorher noch der Schneesturm über den See und die Hütte zog, mussten wir noch etwas Arbeit in die Landebahn stecken. Zusätzlich dazu fanden die Aufräumarbeiten in der Hütte und um die Hütte statt. Das ist immer wieder viel Arbeit, aber anhand unserer perfektionierten Checkliste nicht mehr so schlimm. Was hier alles zu tun ist, seht ihr hier…

Eine halbe Stunde vor der abgemachten Zeit hatten wir also das ganze Gepäck mit dem Schlitten zum Runway gebracht und die Hütte komplett verschlossen. So warteten wir bei – 12 Grad und fiesem Südwind auf das Dröhnen der kleinen Maule. Etwas später hörten wir den Flieger bereits, bevor er einige Minuten später mit einem kleinen Punkt am Himmel auch sichtbar wurde. Hmm, ist das ein roter Flieger? Tatsächlich, Gerd holte uns mit der C206, einem etwas grösseren, stärkeren Flugi ab. Nach einer Überflugsrunde und der Landung auf RWY 35R erklärte er, dass die Maule eventuell nicht stark genug gewesen wäre, um mit drei Personen im Schnee wieder zu starten. Naja, dann war’s ja wohl besser so – wenn auch etwas teurer.

Der Flug war ereignislos – zwei Stunden waren wir unterwegs über die verschneiten Weiten des Yukons, im Norden schon das schlechte Wetter, das morgen noch hereinziehen sollte, bevor wir sicher und sanft auf dem Flughafen Whitehorse landeten. Schade, wieder war eine wunderbare Zeit am Rosie Lake vorbei – Oliver war fünf Wochen da draussen, Claire zwei Wochen. Und trotzdem ist es immer wieder gut, wenn alles so toll und unfallfrei verlaufen ist.

In Whitehorse holten wir das Mietauto ab, beglichen unsere Schulden bei Gerd (🥲) und machten uns auf den Weg ins Hotel. Dort nutzten wir deren Waschmaschine und Tumbler, um die Bettwäsche fürs nächstes Mal wieder parat zu machen. Nach einem Apéro, einem z’Nacht und einer heissen Dusche schlüpften wir ins Bett.

Der nächste Tag war sehr entspannt, da wir ja eigentlich keine Pläne hatten. Ausser, dass wir unbedingt mal wieder ins Tranportation Museum wollten und den Mini Storage mit unserem Kram füllen mussten. Das Museum war die letzten Jahre immer geschlossen, wenn wir Zeit gehabt hätten. Dieses Jahr war es am Nachmittag geöffnet und wir schauten uns die Ausstellung an. Das Abendessen gab’s dann im Best Western: Burger für Claire, Pizza für Oliver – fast schon Tradition.

Weiter ging die Reise via Vancouver, wo wir ca. sieben Stunden Zeit totzuschlagen hatten, bis der Flug nach München abheben sollte. Zwei der sieben Stunden verbrachten wir erstmal in der Lounge, da es noch zu früh (und zu nass) für die Stadt war. Danach klarte das Wetter auf und bei herrlichem Sonnenschein spazierten wir an der Vancouver Water Front entlang. Danach nochmals zwei Stunden Lounge, bevor es mit der Lufthansa über den Teich ging. Dann wieder ein paar Stunden in der Münchner Lounge, weiter nach Barcelona und zurück mit Swiss (resp. Air Baltic) nach Zürich. Touchdown war am Mittwoch Abend um 21:40 Uhr Ortszeit, drei Tage nachdem wir die Idylle am Rosie Lake verlassen hatten.

Morgens um 5 Uhr am Donnerstag klingelte der Wecker fürs Büro. Die Realität hatte uns wieder.
Aber wir haben Pläne. Herbst 2026 zum Beispiel – wenn Lucy und Christian uns am Rosie Lake besuchen werden 😍
Seid gespannt darauf 😉

3 Gedanken zu „Rosie Lake | Bei -30 Grad beginnt das Abenteuer“

  1. wie immer ein toller, spannender und fesselnder Bericht.
    Wir sind gespannt auf eure nächsten Abenteuer
    Liebi Grüess und ä gueti Ziit
    W&R

    1. Danke euch beiden ❤️
      Jetzt ist erst mal wieder Büro-Alltag angesagt, bevor es im August ins nächste Abenteuer geht…
      Liebe Grüsse, Claire & Oliver

  2. HI Claire AND Oli
    i HAVE READ IT ALL, AND IT TOOK ME AGES, SO I DON’T KNOW HOW LONG IT TOOK YOU TO WRITE IT ALL!
    THE PHOTOS ARE WONDERFUL. IF IT WASN’T SO COLD I’D BE JEALOUS!
    THE NEW STOVE LOOKS AMAZING AND I HOPE IT HEATS EVERYWHERE IN THE HOUSE AND KEEPS YOU WARM 24/7
    ‍♂️

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