Rosie Lake | Kleine und grosse Herbstabenteuer

Herbstzeit ist Rosie Lake Zeit. Seit vier Jahren – seit wir diese kleine Perle im Nordwesten Kanadas unser eigen nennen dürfen – verbringen wir jeden Herbst einige Wochen dort. Und was wäre ein Rosie Lake Herbst ohne gewisse Herausforderungen und Spezialitäten? Genau, langweilig! Und so nahmen die Dinge – und Ideen – bereits im letzten Winter ihren Lauf…

Claires Schwester Lucy und ihr Freund Christian hatten schon in der Vergangenheit versprochen, uns mal am Rosie Lake zu besuchen. Als es nun also an die Planung und Flugbuchungen für Herbst 2026 ging, trafen wir uns, um gemeinsam die Möglichkeiten zu besprechen. Die beiden entschieden sich, zwei Wochen mit uns zu verbringen. Oliver hatte viel mehr Zeit und reservierte sich im Ganzen fast sechs Wochen und Claire konnte sich knappe vier Wochen aus dem Büro ausklinken.

So suchten wir passende Flüge für die Reise über den grossen Teich und buchten auch gleich die Flüge bei Alpine Aviation ab Whitehorse für Oliver, Lucy und Christian. Und Claire? Ja, das sollte ihr eigenes kleines Abenteuer werden 🙂

Ein Schritt aus der Komfortzone – Claires kleines, grosses Abenteuer mit Packraft und Zelt

„Was?? Du willst das ganz alleine machen?“ „Warum?“ „Gibt es da nicht auch Bären und andere wilde Tiere?!“
Das waren die häufigsten Fragen in meinem Umfeld, wenn ich erzählt habe, was ich mir für diesen Herbst vorgenommen hatte. So richtig hatte ich keine Antwort darauf – ausser: ja, Bären, Elche und Wölfe sind definitiv heimisch dort. Ich fand einfach, dass es an der Zeit war, mal wieder einen Schritt weiterzugehen und mich einer kleinen Herausforderung zu stellen. Man könnte sagen, die Antwort nach dem „Warum“ war „Weil ich es kann“.

Aber was genau hatte ich vor?
Fleissige Bericht-Leser:innen wissen, dass man Rosie Lake nicht auf dem Landweg erreichen kann. Es gibt keinen Abzweiger, wo man vom Alaska Highway aus den Blinker setzen könnte, um über eine kleine holprige Schotterstrasse vors Haus zu fahren. Nein, der einfachste Weg, Rosie Lake zu erreichen, ist der Buschflieger. Entweder man fliegt von Watson Lake aus in ca. 45 Minuten oder von Whitehorse aus in ca. 1h 45 Minuten und landet bequem auf dem See vor dem Haus. Das funktioniert im Sommer (mit Floats) und im Winter (auf Ski).

Oder aber, man wählt den beschwerlichen Weg und der geht so:
Man braucht einen Strassentransfer von Whitehorse bis zum Frances Lake Campground. Das sind gut 600 Kilometer Autofahrt, zuerst auf dem Alaska Highway, ab Watson Lake auf dem Campbell Highway. Dort braucht man ein Boot – ein Kanu oder ein kleines Motorboot – und fährt damit ca. 30 Seekilometer bis zum südlichsten Punkt vom Frances Lake, wo der See weiter als Frances River Richtung Süden fliesst.
Auf dem Fluss sind es noch rund 5 Kilometer, bevor man linkerhand in einen kleinen Seitenarm abbiegt und am morastigen Ufer auswassern kann. Der eigentliche Spass geht aber erst hier richtig los: Sechs Kilometer durch den Kanadischen Wald sind nicht ohne. Vor allem das erste Stück ist mit hohen, dichten Büschen und nahe zusammen stehenden Bäumen anspruchsvoll. Später wird der Trail auf einigen Teilstücken besser und kann sich tatsächlich Wanderweg nennen. Manche Abschnitte sind dann wieder sumpfig, manche führen an kleinen Creeks entlang, die im Herbst oft trocken sind, in diesem Herbst aber sehr viel Wasser geführt haben, was das Wandern durch das Einsinken sehr anstrengend machte.
Wenn man diese Hürden alle geschafft hat, ist die kleine Hütte im Wald eine wahre Oase und ein Paradies der Ruhe und Erholung…

Also, nochmals zurück zur Idee: Ja, ich wollte diese Reise unbedingt mal alleine in Angriff nehmen. Oliver hatte das bereits im Herbst 2023 gemacht und damals wäre das für mich alleine ein No-Go gewesen. Aber so wächst man mit der Zeit und den Aufgaben… Mittlerweile sah ich es als absolut machbares Abenteuer an – auch im Bewusstsein, dass das mindestens eine Zeltnacht in der Wildnis bedeuten würde.

Aber ja, in der Vorbereitung und von zu Hause aus tönt das alles ziemlich entspannt. Ich schrieb meine Listen, gab Oliver die Infos, welche Utensilien ich unbedingt im Storage in Whitehorse brauchen würde (er hat beim Frühlingsbesuch vieles vorbereitet dafür) und plante die letzten Details. Mitte August verabschiedete ich Oliver, der bereits zwei Wochen vor mir abreiste. Mein Countdown im Büro lief in Höchstgeschwindigkeit und mittlerweile konnte ich die Tage bis zu meiner Abreise an meinen Fingern abzählen. Was mich langsam dazu brachte, doch etwas nervös zu werden…

Den richtigen Realitäts-Check hatte ich in Frankfurt in der Lounge, wo ich bei einem G’n’T auf meinen Flug nach Vancouver wartete. Wie fast immer sind wir via Barcelona (dieses mal mit kleiner Mutprobe mit einem Friseurbesuch und Small Talk auf Spanisch 😆) gereist. In Frankfurt realisierte ich aber plötzlich, dass ich ja (durch die Zeitverschiebung) „heute Abend“ in Whitehorse sein werden – was bedeutete, dass ich morgen bereits im Kanu sitzen und im Zelt schlafen würde! OMG, dieser Gedanke hat reingehauen und liess mich etwas unruhig werden. Nun war es aber für Reue und neue Pläne viel zu spät und es gab nur eine Richtung: Vorwärts, vamos!

Vorwärts hiess in meinem Fall weiter nach Vancouver und Whitehorse. Spät abends gegen 22:30 Uhr landete ich nach rund 27 Stunden Reisezeit seit dem Aufstehen in Barcelona in Yukons Hauptstadt und noch bevor das Gepäckband lief, hatte ich bereits mein Mietauto übernommen. So konnte ich, sobald das Band meine gelbe Tasche ausgespuckt hatte, raus zum Mietauto und mich auf den Weg zum Storage-Labyrinth, das am Stadtrand von Whitehorse liegt, machen. Dieses grosse Schliessfach ist sehr praktisch, um eine kleine Base für Kleidung und Equipment zu haben. So fand ich alles vor, was ich Oliver auf die Liste geschrieben hatte: Zelt, Schlafmatte, Schwimmweste, Bärenspray… was man für ein kleines Outdoor-Abenteuer im Yukon halt so braucht.

Nachdem ich mich halbwegs von Stadt-Tussi zu Outdoor-Woman verwandelt hatte, schnappte ich alles Nötige und fuhr zum Hotel. In Gedanken dankte ich meiner Vernunft, auf dem letzten Lag von Vancouver nach Whitehorse kein Bier mehr getrunken zu haben – Autofahren in Gummistiefeln in der Dunkelheit auf Strassen, die man nicht gut kennt, ist auch nüchtern nicht so einfach 🙂

Im Hotel duschte ich und sortierte noch ungefähr eine Stunde das Gepäck. Mit dem guten Gefühl, alles vorbereitet zu haben, schlief ich schliesslich ein.

Schon um 6:30 Uhr klingelte der Wecker wieder und schnell wurde mir bewusst, dass heute DER Tag war! Nach einem schnellen Hotel-Kaffee hüpfte ich in meine Outdoor-Woman Kleider, hängte das inReach an den Gürtel und setzte mein Käppi auf. Ich war bereit – lasst das Abenteuer beginnen!

Noch eine letzte Fahrt zum Storage (deponieren aller Zivilisation-Kleidung) und Superstore (einige Flaschen Wasser kaufen) standen auf dem Plan, bevor ich um 8:15 Uhr mit Tom verabredet war. Ich freute mich sehr, ihn wieder zu sehen und auf die Fahrt mit ihm! Wir trafen uns auf dem Parkplatz der Mietauto-Firma, wo er sein Auto stehen liess und wir gemeinsam auf grosse Fahrt gingen. Aber zuerst mal (wie immer) zu Starbucks. Dort kauften wir zwei grosse Kaffee und je ein Stück Kuchen, um für die Reise gestärkt zu sein, dann bogen wir auf den Alaska Highway Southbound ein. Tom hat immer sehr viele spannende Geschichten zu erzählen und die Zeit verging wie im Flug.

Nach rund viereinhalb Stunden Fahrt machten wir in Watson Lake kurz Pause. Wir tankten das Auto, kauften einen Snack ein und fuhren danach über die Strasse, um beim berühmten Sign Post Forest ein paar Fotos zu machen. Kurze Zeit später nahmen wir den Campbell Highway Richtung Norden und verliessen die Zivilisation rund um Watson Lake. Meine „bekannte Welt“ endete kurz darauf auf Höhe von Northern Rockies Air, wo wir schon öfters nach Rosie Lake abgeflogen sind. Weiter bin ich bisher nie gewesen – somit war das „Terra incognita“ für mich. Eine sehr einsame, aber gut ausgebaute Strasse erwartete uns auf weiten Teilen der Strecke. Erst das letzte Drittel ist nicht mehr asphaltiert, sondern nur noch eine Schotterstrasse. Auf den ca. 170 Kilometern haben wir im Ganzen vielleicht zwei oder drei Autos gekreuzt – es ist also ganz schön remote da draussen. Ein kleiner Vorgeschmack auf die restliche Reise.

Das Wetter stand den ganzen Tag auf der Kippe. Es war immer wieder bewölkt, sah nach Regen aus und einmal hatten wir auch einige Tropfen auf der Windschutzscheibe. Aber so richtig gekippt ist es nicht. Ausserdem kann es im Yukon gut sein, dass man nur aus einem anderen Fenster schauen muss, um komplett anderes Wetter zu sehen… Ich war zuversichtlich, dass ich am heutigen Tag Wetterglück haben würde. Aber was war mit dem Wind? Unterwegs hatten wir einen guten Blick auf den Simpson Lake und der hat von Weitem ziemlich ruhig ausgesehen. Trotzdem kann das täuschen und wir kennen das Paddeln bei viel Wind – das ist keine tolle Sache, vor allem nicht bei Gegenwind. Nach dem Abzweiger vom Campbell Highway zum Campground blickte ich also gespannt zum See hinunter. Wie würde er sich zeigen? Sanft und glatt wie ein Spiegel? Oder aufgewühlt und ruppig, mit Schaumkronen und wenig einladend für eine Kanufahrt?

Ich war beim Anblick vom See ziemlich erleichtert. Obwohl der Wind aus Süden wehte (dort, wo ich ja hinwollte), war es nicht so schlimm, dass es den ganzen See aufbauschte. Klar, mit dem leichten Packraft ist man so oder so schnell ein Spielball von Wind und Welle, aber es hätte schlimmer sein können. So holten wir meine Siebensachen aus dem Auto und ich fing an, das Kanu aufzublasen. Das hatte ich daheim im Wohnzimmer extra geübt, um mich am See nicht ganz zu blamieren 🙂 Tom half mir mit einigen Handgriffen und filmte meine Vorbereitungsarbeiten.

Nachdem also alles eingepackt und sicher verstaut war, war es endlich soweit: Ich zog meine Schwimmweste über die Regenjacke an, startete das Tracking auf dem inReach und verabschiedete Tom mit einer Umarmung. Wir würden uns in drei Wochen in Whitehorse zum Abendessen wieder sehen. Mit einem beherzten Schubser half er mir und dem Packraft ins tiefere Wasser und machte sich nach dem Winken auf den Weg zurück nach Whitehorse.

Mein Weg führte mich Paddel-Schlag für Paddel-Schlag Richtung Süden. Als ich im Kanu sass, merkte ich, dass die Wellen doch etwas mehr Widerstand leisteten als gedacht. Ich konnte das Paddel keinen Moment ruhen lassen, da ich sonst direkt wieder Strecke verlor. Also versuchte ich, in einen ruhigen Rhythmus zu kommen und checkte im Kopf alle Punkte ab: Ich hatte nichts vergessen, das Kanu war gut aufgepumpt, Schwimmweste an, inReach läuft – und nicht vergessen: Spass haben! ☝️

So ging es weiter auf dem See, kurz nach der Abfahrt erreichte mich bereits ein erster kleiner Schauer, aber der war sehr lokal und nicht der Rede wert. Gleich danach war der Himmel wieder mehrheitlich blau, es kündigte sich ein schöner Abend an. So paddelte ich gut drei Stunden weiter, bevor ich mich langsam um einen Übernachtungsplatz kümmern musste. Von Weitem konnte ich einigermassen abschätzen, ob das Ufer zum zelten geeignet ist oder nicht, aber es gab einen längeren Abschnitt, bei welchem das Ufer zu steil ins Wasser abfällt und somit nicht in Frage kam. Etwas später sah ich von Weitem eine vielversprechende Bucht. Da es bereits gegen 19:45 Uhr war, entschied ich mich, nicht mehr bis zum angepeilten Landspitz zu fahren, sondern den Kurs Richtung Land zu ändern, um mir die Bucht genauer anzuschauen. Schon beim Anlanden hatte ich mich entschieden: Hier ist es wunderbar, hier baue ich mein Zelt auf!

Mit etwas steifen Gliedern hievte ich mich aus dem Kanu, machte einen kurzen Rundgang – war höchst erfreut über dieses schöne Plätzchen. So räumte ich das Kanu aus und fing an, das Camp aufzubauen: Zelt aufstellen (danke, Petrus, für einen so windstillen Abend 😉), Schlafsack ausrollen, Kocher bereitstellen, Luft aus dem Kanu lassen und ebenfalls im Zelt verstauen (kein Risiko mit kleinen Nagern eingehen!). Nach einer knappen Stunde setzte ich mich auf meine Schwimmweste und ass mein Abendessen (Fertigessen von Transa – leider null von 10 Sternen).

Die Abendstimmung war wunderbar. Für kurze Zeit besuchte mich ein Schwarm Kanadagänse in der Bucht, die aber gleich darauf wieder mit lauten Flügelplatschern vom Wasser abhoben und davonflogen. Die untergehende Sonne beleuchtete den gegenüberliegenden Wald und das Wasser zeigte sich ruhig und glatt wie ein Spiegel. Es war eine Szene wie aus dem Kanada-Bilderbuch. Ich konnte in diesem Moment mein Glück kaum fassen – es fühlte sich so richtig und gut an, hier zu sein und ich war stolz, es bis hierher geschafft zu haben!

Als es langsam dunkel wurde, machte ich mich auf den Weg ins Bett. Der Vollmond kroch aufs Firmament und leuchtete hell in mein Zelt. Ich kuschelte mich in den Schlafsack und schlief friedlich ein. Die Nacht war ruhig und ich schlief richtig gut – was mich wirklich sehr erstaunte, da ich damit rechnete, bei jedem Geräusch das Schlimmste (= Bärenattacke!) zu befürchten. Im Gegenteil: Es fühlte sich nie beängstigend an, sondern einfach ganz normal und gut.

Der Wetterbericht sagte für den nächsten Tag Regen voraus. Mein Ziel war es, das Camp noch im Trockenen abbauen und verstauen zu können. Dies unter anderem, weil mit dem Regen oft auch der Wind auffrischt und das macht alles etwas mühsamer. Also stellte ich mir den Wecker auf 4:30 Uhr und stand dann gegen 5 Uhr auf. Beim Herauskriechen aus dem Zelt war es noch dunkel, aber die Luft wog schwer von der vielen Feuchtigkeit. Es regnete nicht, aber alles war nass (sehr hässlich, am Morgen früh schon in die patschnassen Paddelhandschuhe und Gummistiefel zu schlüpfen…).
Ich holte meine Tasche, die ich am Abend zuvor ca. 100 Meter weit vom Zelt deponiert hatte, und fing an, das Camp abzubauen. Alles fand wieder in den (mehr oder weniger) wasserdichten Taschen Platz. Schlussendlich war das Kanu wieder aufgeblasen und alles darin verstaut. Ich schob es ins Wasser, schnappte mir mein Doppelpaddel und kraxelte ins Kanu. Einmal drin, machte ich es mir bequem, sollte das doch das Transportmittel der Wahl für die nächsten Stunden sein…

Beim Einwassern war es bereits hell. Das heisst aber nicht, dass man die Umgebung besser sah. Viel mehr war es ein Meer aus Nebel und Wolken und ich war mittendrin. Also hielt ich mich erstmal am Ufer und paddelte von Landmarker zu Landmarker. Mit der Zeit wurden meine Muskeln und Gelenke warm und die Sicht erfreulicherweise besser. Ich fand einen guten Rhythmus und erfreute mich an der schönen Landschaft, die auch bei solchen Bedingungen ihren Reiz hat.

Nach ungefähr zwei Stunden Paddeln kam ich in die Nähe der Frances Lake Lodge. Ich roch den Rauch vom Kamin bereits von Weitem… Die Frances Lake Lodge ist eine Ansammlung einiger kleiner Hütten, die bis vor einigen Jahren kommerziell und mit viel Erfolg von Schweizern betrieben wurden. Auch heute gehört das Anwesen diesen Schweizern und ich wusste, dass sie dort sind. Also legte ich natürlich einen kleinen Stopp ein, um hallo zu sagen (und eine Flasche Wein mitzubringen). Es war noch früh am Morgen und nur Martin war wach. Wir plauderten kurz, aber ich hatte nicht so viel Zeit – solange es noch trocken war, wollte ich Strecke machen.

15 Minuten nach dem Anladen war ich schon wieder im Boot und weiter auf dem See unterwegs. Und dann war es soweit: Regen setzte ein und ich stoppte nochmals kurz, um den Poncho überzuziehen. Keine Sekunde zu früh, denn kurz darauf schüttete es. Und hörte so schnell nicht wieder auf…

Aber wenn man erstmal nass ist, ist es eh schon egal – im Yukon lebt man besser, wenn man es statt „Regen“ einfach „Liquid Sunshine“ nennt. Und die Devise lautete ja noch immer: Vorwärts! Der Plan war, mich gegen Mittag mit Oliver zu treffen. Er wollte zu Fuss zum Tyres River gehen, mit dem Packraft die sieben Kilometer Fluss zum Frances Lake fahren und mich dann bei der Hütte von Joe und Nadyne treffen. Ich wollte ihn nicht ewig warten lassen und zog weiter meine Schläge durchs Wasser, auch wenn die Schultern und Arme langsam schmerzten – immer von Landmarker zu Landmarker.

Und dann, kurz nach Mittag, umrundete ich endlich den letzten Landspitz, bevor ich zur Bucht von Joe und Nadyne kam. Von Weitem sah ich einen kleinen roten Punkt am Ufer – das konnte nur Oliver in seinem Poncho sein! Die Bucht zog sich nochmals ewig, aber irgendwann kam ich tatsächlich am Ufer an, wo Oliver mich schon freudig empfing! Die Begrüssung war toll, er freute sich sehr für mich, dass alles so gut geklappt hat und ich so viel Spass gehabt habe.
In der Zwischenzeit hatte er bereits ein wunderbares Lagerfeuer in Gang gebracht, an das wir uns stellen und uns aufwärmen und etwas abtrocknen konnten. Wir assen eine Kleinigkeit und ich freute mich riesig, dass wir nun zusammen unterwegs sein würden.

Der weitere Weg führte uns die rund fünf Kilometer den Frances River runter. Das ist kein schwieriger Flussabschnitt. Nach kurzer Zeit hat es bereits eine leichte Strömung, die meine müden Arme unterstützte, das Wasser ist glasklar und man sieht auch im tiefen Wasser bis zum Grund. Ab und zu gibt es seichte Abschnitte und zwei, drei Stellen mit „Ribeli“, die mit dem Kanu Spass machen – vor allem aber gut fürs fischen sind. Es versteht sich ohne Worte, dass Oliver hier die Angelrute auswarf und uns ein paar Leckerbissen aus dem Wasser fischte. Das hat einmal mehr gut funktioniert und mit einigen Äschen im Gepäck bogen wir nach rund zwei Stunden auf dem Fluss in unseren kleinen Seitenarm ab.

Der Regen hat praktisch nicht aufgehört und der Boden am Ufer war unglaublich matschig. Wir beeilten uns, die Kanus zusammenzurollen und alles irgendwie in und an die vorhandenen Rucksäcke zu packen. Schlussendlich hatten wir zwei schwere Rucksäcke, einer mit dem Doppelkanu angeschnallt und einer mit der riesigen bepackten Blachentasche dran. Irgendwie auch logisch, dass das auf dem Trail kein Spaziergang sondern richtig harte Arbeit werden würde…

Bereits im ersten Abschnitt fluchten wir laut und ärgerten uns sehr über das schwere Gepäck. Der zweite Abschnitt ist zwar ein richtiger Trail und deshalb besser zu gehen, es geht allerdings bergauf und wir kamen ordentlich ins Schwitzen. Schon nach kurzer Zeit versuchten wir, das Gepäckgewicht besser zu verteilen. Eine Zeitlang trug Oliver die Blachentasche in der Hand – und sein Fluchen wurde immer lauter. Also nahm ich sie ihm ab und versuchte mich mit der Variante quer über die eine Schulter. Das war am Anfang noch erträglich, wurde mit der Zeit aber auch sehr schwer – und beeinträchtige vor allem die Sicht auf den Boden. Auf so einem Trail mit vielen Creeks, mit Moos und Stäuchern und quer liegenden Bäumen ist das aber eine denkbar schlechte Ausgangslage…

Schon bald beratschlagten wir, ob wir einen Teil des Gepäcks im Wald deponieren und später abholen sollen. Wir diskutierten etwas hin und her, fluchten noch ein bisschen mehr, machten eine kurze Pause – und entschieden nach ca. drei Kilometern, etwas Ballast abzuwerfen.

Mitten im Wald suchten wir also einen Baum aus, packten alles, was nicht heikel ist und wir nicht gleich in der Hütte brauchen würden, in die Blachentasche und zurrten diese mit einer langen Schnur fest an einen Baum. Wir merkten uns den Kilometer und machten uns mit „leichtem Gepäck“ auf den Endspurt. Dieser führte weiter durch Sümpfe und Creeks entlang, war aber um einiges angenehmer als mit Vollgepäck. Schlussendlich erreichten wir – nach unglaublich langen vier (!) Stunden Trail gegen 20 Uhr abends unser grosses Ziel: Die Hütte am Rosie Lake!

Ich freute mich riesig, endlich anzukommen und auch, wenn ich ziemlich erledigt war vom ganzen Programm der letzten Tage, war die Laune topp. Mittlerweile war es wirklich spät geworden, nachdem wir die Fische filettiert hatten, die nassen Sachen zum Trocknen aufgehängt und mein Bett frisch bezogen hatten, kochten wir uns noch eine kleine Fertigsuppe und assen sie auf dem Sofa, während im grossen Holzofen das Feuer knisternd seine heimelige Wärme mit uns teilte. Es war ein perfekter Abschluss für eine unvergessliche Anreise und zugleich der Start für eine weitere wundervolle Herbst-Zeit am Rosie Lake! Wir waren gespannt auf die weiteren Wochen…

Angekommen im Paradies

Und was macht die Anstrengung und den Stress erst richtig gut? Genau, die süsse Erholung danach! Schon auf dem Heimweg hatte ich Oliver mitgeteilt, dass ich die nächsten Tage erstmal strenge Paddel-Sperre haben würde. Am linken Daumen hatte sich trotz Paddelhandschuhe eine Blase gebildet und meine Schultern und die Arme hatten definitiv keine Lust auf weitere Beanspruchung. Somit war das Programm am Tag nach meiner Ankunft klar: Wir würden es einfach locker nehmen. Gesagt, getan.

Erstmal schlief ich mich richtig gut aus und erwachte zu einem strahlenden Tag mit Sonnenschein und dem See-Panorama vom Bett aus. Herrlich!
Schade, hatte sich das Wetter am Vortag bei der Anreise nicht so gezeigt – aber wer will denn schon bei so einem Anblick nörgeln?! Wir nicht – wir genossen den Kaffee, wie immer am Rosie Lake von Oliver am Bett serviert. Auch mit dem Frühstück hatten wir keine Eile. Nach leckeren Spiegeleiern und selbstgemachtem Brot war das bisschen Haushalt (Abwasch) schnell erledigt und wir machten uns gegen Mittag bereit für eine kleine Erkundungstour übers Grundstück.

Die erste Überraschung hatte ich schon gestern gesehen: Oliver hatte bereits im Frühjahr das Loch in der Veranda, das wir im Winter 2024 mit noch heisser Asche im Plastikkübel ins Holz gebrannt hatten, repariert. Dazu hatte er zwei der Veranda-Bretter ersetzt und nun klafft einem kein unschönes Brandloch mehr entgegen. Schon nach weiteren kurzen 30 Metern bis zum See erwartete mich eine weitere – grosse – Überraschung:

Oliver hatte die zwei Wochen vor meiner Ankunft gut genutzt und eine komplett neue Plattform am See gebaut! Dort, wo bis vor kurzem noch die alte Plattform aus Vorgänger-Zeiten stand – oder vielmehr vor sich hin rottete – stand nun eine nagelneu gezimmerte Plattform aus unseren selbstgemachten Brettern! Die alte Plattform war bereits mehrheitlich rückgebaut und entsorgt und nur noch zwei der grossen untersten Fundament-Bäume zeugten davon, dass dort mal was anderes stand. Wow, ich war beeindruckt! Kein Sterbenswörtchen hatte er darüber verloren und es war wirklich eine tolle Überraschung – ärgerten wir uns doch jedes Mal über diesen „Schandfleck“, den man beim Anlegen mit dem Flugzeug immer zuerst sah.

Einzig der verbliebene Abfall musste noch weggeräumt werden. Das waren in erster Linie rund sieben bis acht grosse und kleine Ölfässer, die die Vorbesitzer als Benzindepot eingeflogen hatten (und – wie so vieles – nie entsorgt, sondern einfach liegen gelassen hatten). Wir brachten Fass für Fass zum Holzlager, wo wir sie dahinter so aufstapelten, dass sie zumindest mal aus den Augen sind (und ja, somit auch ein bisschen aus dem Sinn). Ausserdem gab es noch ein paar alte Blachen und Decken, die es zu entsorgen galt (pfui, ich weiss nicht, was genau in diesen Decken alles gestorben war…), diese konnten wir aber alle verbrennen sowie die verrotteten Holzresten auf dem „Kompost“ im Wald entsorgen. Und wieder war ein Task erledigt und wir erfreuten uns noch oft an der Plattform – eignet sie sich doch wunderbar als Frühstücks- und Apéroplätzchen 😎

Apropos Apéroplätzchen: Die Woche war gefüllt mit Sonnenschein und warmen Tagen. Diese nutzten wir, um viel draussen zu sein und Vitamin D zu tanken – und die neue Plattform am Steg einzuweihen. Ausserdem mussten wir ja noch einen Task im Wald erledigen und die Blachentasche holen, die – hoffentlich! – noch an einen Baum gebunden auf uns wartete. Mit dieser Arbeit wollten wir nicht zu lange warten, waren das Zelt und der Schlafsack darin ja noch nass und sollten baldmöglichst getrocknet werden. Also machten wir uns zwei Tage nach meiner Ankunft mit unseren beiden leeren Rucksäcken auf den Weg zum Trail. Hierfür nahmen wir das Kanu für den See-Kilometer und liessen es am Ufer zurück. Vo da an ging es den altbekannten Trail durch den Wald und kurz vor dem angepeilten Kilometer hielten wir Ausschau nach der gelben Tasche.

Und ja, sie war noch da und wartete brav aufs Abholen. Es gab keine Kratzspuren dran und auch der Inhalt war intakt. Sehr gut – so konnten wir alles in die beiden Rucksäcke verteilen, uns auf den Heimweg machen und nach dem Wandern wieder mit dem Kanu über den See setzen. Daheim angekommen bauten wir draussen rasch das Zelt auf, das mit etwas Wind und viel Sonne in kurzer Zeit komplett trocken war. Auch der Schlafsack bekam die Trocknungstheraphie und konnte bald im Schrank versorgt werden. Dieser kleine Ausflug hat uns für einen Ruhetag genau die richtige Menge an Bewegung geliefert und liess uns danach entspannt wieder in der Sonne einen Apéro einnehmen.

Natürlich durfte eine kleine Kanu-Tour auf dem Rosie Lake nicht fehlen. Um nicht ohne Ziel vor uns hinpaddeln zu müssen, dachten wir uns was aus: Wie bereits erwähnt, waren die Wasserstände diesen Herbst überall hoch. Auch am Südspitz vom Rosie Lake, wo wir in anderen Jahren mit dem Kanu nicht sehr weit gekommen sind, bevor uns quer liegende Bäume und seichte Stellen mit Steinen den Weg versperrt hatten. Wir wollten nun mal auf Erkundungstour gehen, ob wir mit dem aktuellen Hochwasser etwas weiter Richtung Süden vordringen konnten.
Im Winter waren wir einige Male südlich vom Rosie Lake unterwegs und wussten, dass kurz nach dem See eine grosse sumpfige Fläche kommt, die wohl nicht kanu-tauglich sein würde – aber irgendwie muss man seine Zeit auch verbringen 😆

Oliver packte seine Motorsäge ein, ich schnappte unsere Paddel und die Schwimmwesten und gemeinsam hüpften wir wieder ins Blechkanu, um einmal die ganze Seelänge zu paddeln. Auf dem Hinweg hatten wir mehrheitlich Rückenwind – das würde ja ein Spass werden auf dem Heimweg…

Am Südspitz angekommen genossen wir die Ruhe und Windstille im Schutz des umliegenden Waldes und manövrierten uns mit dem Kanu durch die engen Wasserwege. Oliver nutzte die Motorsäge und seine vollen Akrobatikkünste, um uns den Weg freizuschneiden. Dass weder er, noch die Motorsäge, noch wir beide im Wasser landeten, war auch ein wenig dem Glück geschuldet. Es hat Spass gemacht und ein paar Meter weiter als in anderen Jahren konnten wir tatsächlich fahren, bis wir uns entschieden, den Biberdamm, der uns final den Weg versperrte, zu verschonen und uns wieder auf den Rückweg zu machen. Gegen den Wind natürlich. Uff.

Hoher Besuch wird erwartet

So vergingen die Tage und zum Schluss kamen wir noch ein bisschen unter Druck, da wir die Hütte herrichten wollten für unseren Besuch: Pünktlich zu Olivers Geburtstag sollten Lucy und Christian mit der C206 aus Whitehorse einfliegen und dafür wollten wir noch da und dort ein paar Stellen „polieren“. Nicht, dass sie einen grossen Vorher-Nachher-Unterschied sehen würden, aber wir würden ein besseres Gefühl haben 😅 Also räumten wir auf, putzten und machten alles bereit, damit die Hütte für vier Personen richtig wohnlich war.

Das Wetter für ihren Anreisetag beurteilten wir als „fliegbar – aber nicht unbedingt clear, blue skies“. So zogen schon den ganzen Vormittag einige graue Wolkenfelder von Südwesten her über uns hinweg und ab und zu schien die Sonne etwas durch. So richtig schlecht war das Wetter nicht – was wiederum sehr gut war. Wir liessen das Starlink den ganzen Morgen an und blieben auf Empfang, falls die beiden bei ihrem Shopping-Marathon (sie hatten eine umfangreiche Liste für den Superstore von uns erhalten) Fragen haben würden. Wir hörten resp. lasen allerdings nichts und kurz vor 12 Uhr schrieb Meghan von Alpine Aviation, dass das Flugi nun ab Whitehorse unterwegs war. So wussten wir, dass es in rund eineinhalb bis zwei Stunden soweit wäre und wir endlich unseren grossen Besuch empfangen konnten!

Und ja, schon rund eine Stunde und 45 Minuten nach ihrem Abflug aus der Zivilisation hörten wir von Weitem das tiefe Brummen eines Flugzeugs. Gleich darauf sahen wir den kleinen Punkt über die Berge auf uns zufliegen und immer grösser und lauter werden. Das Echo des Motors hallte in den Bergen, der Pilot drehte noch eine Erkundungsrunde über dem See, bevor er Richtung Norden ausholten und schliesslich gegen Süden auf dem See landete. Das Landen geht jeweils schnell – bis der kleine rote Blitz aber auf seinen Floats durchs Wasser gepflügt und bei uns angekommen war, ging es gefühlt ewig. Oliver half, das Flugzeug zu halten und festzubinden, nachdem der Pilot den Motor ausmachte und das Flugi die letzten Meter im Leerlauf an den Steg gleiten liess. Wir freuten uns sehr, dass die beiden nun den weiten Weg hinter sich hatten und heil und gesund am Rosie Lake angekommen waren – herzlich willkommen im Paradies, Lucy und Christian! ❤️

Die beiden brachten viel Gepäck mit. Sie hatten die ganzen Einkäufe dabei und auch noch Kurier für einige unserer Sachen gespielt: Eine volle Gasflasche, eine grosse bärensichere Tonne mit weiteren haltbaren Lebensmitteln, neue Schneeschuhe für den Winter, die wir nach Whitehorse bestellt hatten und eine sauschwere Rolle Dachpappe fanden ebenso den Weg aus dem Flieger wie ihr persönliches Reisegepäck, das hauptsächlich aus Outdoor-Kleidung und Schuhen bestand. Die Glitzerkleidchen und das Beauty-Case kann man am Rosie Lake getrost zu Hause lassen…

Gleich nachdem es das ganze Gepäck mit vereinten Kräften in die Hütte geschafft hatte, fragten wir den Piloten Nik, einen jungen Deutschen, ob er noch einen Tee oder Kaffee möchte und so tranken wir zu fünft einen Kaffee in der Hütte, bevor Nik sich wieder für den Rückflug ins Flugzeug schwang. Gemeinsam winkten wir ihm bei seinem Abflug zu und legten den Kopf in den Nacken, um seinen tiefen Überflug zu verfolgen. Als er kurz darauf ausser Hörweite war, gingen wir zurück in die Hütte, liessen den Wind und die Wolken draussen und machten es uns zu viert am Esstisch gemütlich, um mit Champagner und frischem selbstgebackenen Kuchen auf Olivers Geburtstag und die Ankunft der Gäste anzustossen.

Der Alltag kehrt ein

Lucy und Christian lebten sich sehr schnell im Hüttenleben ein. Wir zeigten ihnen, was es alles Inhouse Wichtiges zu wissen gab und machten uns auch noch auf den Weg für einen kleinen Spaziergang über das Grundstück. Mit dieser Basis legten wir einfach los und banden sie gleich bei allen Arbeiten mit ein. Dass sie während ihrer Ferien unsere „Leiharbeiter“ sein würden, wussten sie schon vorher und so halfen sie sehr fleissig und mit vollem Einsatz bei allen Arbeiten mit.

In den nächsten Tagen waren wir gemeinsam im Wald, um Brennholz zu machen. Oliver und Christian fällten die Bäume und schnitten die Stämme in mehr oder weniger handliche Rugeli, die Lucy und ich gleich darauf zum Holzplatz transportierten. Lucy hat nun schon seit über 2’000 Tagen eine laufende Serie mit mehr als 10’000 Schritten pro Tag und so konnte sie bereits nach kurzer Zeit die Vollzugsmeldung von 10’000 Schritten für den aktuellen Tag melden. Das Holz allerdings war noch längst nicht fertig getragen und so marschierten wir weiter mit den Armen voller Rugeli. Christian hackte alle Rugeli auf und wir stapelten die Scheite an passender Stelle im Holzshed ein, damit sie für kommende Ferien gut trocknen werden.

Und wenn wir schon bei Holzarbeiten sind, darf ein Tag im Zeichen von Bretter produzieren selbstverständlich nicht fehlen! Also weihten wir die beiden in die Geheimnisse der Logosol ein. Wir spannten das Mini-Sägewerk an die Motorsäge und nachdem wir passende Bäume gefällt und aus dem Wald getragen hatten, ging die Brett-Produktion los. Dieses Mal war es für mich ein kleiner „Walk in the park“ – ich musste weder schwere Bäume tragen (Oliver und Christian haben die Hauptlast erledigt), noch musste ich alle Handgriffe selber machen, die bei der Arbeit mit der Logosol nötig sind. Aber selbstverständlich braucht es auch immer Aufseher und eine Qualitätskontrolle und das haben Lucy und ich mit sehr viel Engagement erledigt.

Schlussendlich konnten wir sehr zufrieden einen ganzen Stapel frischer Bretter versorgen. Vorsichtig legten wir die Bretter aufeinander, und stellten sicher, dass sie gerade lagern, um sich beim Trocknen ja nicht zu verziehen.

Um den beiden auch die Umgebung zu zeigen und ein bisschen „echtes Yukon-Flair“ vermitteln zu können, planten wir für einen der nächsten Tage mit gutem Wetter einen Ausflug. Dafür mussten wir allerdings noch die „Packraft-Einführung 1.0“ erledigen. Also suchten wir die Packrafts zusammen und zeigten ihnen, wie das Aufblasen und Bereitmachen funktioniert. Es ist einfacher, das mal „im Trockenen“ geübt zu haben, bevor man an einem Fluss- oder Seeufer steht, womöglich zu viel Wind weht und enge Platzverhältnisse herrschen. So pumpten wir das Doppelkanu sowie die beiden Einzelkanus auf und konnten dabei auch gleich feststellen, ob alle drei Kanus in gutem Zustand sind und auch noch etwas reinigen. Das ganze Unterfangen war erfolgreich und nachdem die Kanus nach der Reinigung getrocknet waren, konnten wir die Luft wieder ablassen und feinsäuberlich zusammenrollen, damit sie gut in und an die Rucksäcke passen würden. Wir waren bereit für den Tyres River!

100% Yukon-Feeling auf der Tyres-River-Runde

Wir waren gut vorbereitet für unseren Tagesausflug. Bereits am Abend vorher packten wir unsere Rucksäcke mit allem, was für so ein kleines Abenteuer nötig sein würde. Nach dem stärkenden Frühstück suchten wir die letzten Details zusammen, schnallten den Bärenspray an den Gürtel und programmierten die inReach, die uns den Weg durch den dichten Wald weisen würden. Mit Packraft, Paddel, Schwimmweste und einem kleinen Snack im Gepäck und den Gummistiefel an den Füssen ging es also gegen 8:30 Uhr im Gänsemarsch los auf dem Trail hinter dem Haus. Die Morgenluft war frisch und ein blauer Himmel versprach einen schönen Tag – oder zumindest Morgen. Gegen Mittag sollte es ein bisschen bewölkter werden, aber die Vorhersage war, dass es trocken bleiben sollte.

Der erste Kilometer dieser Runde ist quasi geschenkt. Ein ausgetretener Wanderpfad führt vom Haus weg, erst ab Kilometer zwei heisst es, die Augen offen zu halten für die nächste Markierung. Es gibt keinen Weg mehr und geht einfach über Stock und Stein. Und Busch. Immer wieder mussten wir Ausschau nach Markierungsbändeli oder eingeritzten Bäumen halten. Früher oder später fanden wir aber immer den nächsten Hinweis und arbeiteten uns so weiter bis zum sogenannten „Namenlosen See“ (yep, sehr originell). Dieser liegt ca. vier Kilometer nördlich der Hütte. Letztes Mal haben wir für die Überquerung die Kanus aufgeblasen, dann aber entschieden, dass wir es künftig (und auch dieses Mal) besser auf dem Landweg am Ufer probieren werden. Das Aufblasen und wieder versorgen der Kanus ist sehr zeitintensiv und das Wandern dem See entlang (ca. 800 Meter) ist gut machbar und unter dem Strich auch etwas schneller. So kraxelten wir über moosige Hügelchen, mussten grosse Schritte über umgefallene Bäume machen und da und dort sumpfigen Stellen ausweichen (oder halt die Grasnaben im Sumpf gut treffen).

Schlussendlich verliessen wir das Seeufer und nahmen das Zwischenstück zum Tyres River in Angriff. Da ich ziemlichen Respekt vor den Stromschnellen etwas weiter oben hatte (Stichwort: Hochwasser!), überredete ich Oliver, dass wir eine Kurve weiter unten auf den Fluss sollten, als er gerne wäre. So hielten wir unseren Wanderkurs eher noch etwas nordwestlich statt nördlich, bevor wir zum Fluss abstiegen. Mit Hilfe der inReach-Karte gelangten wir genau zur angepeilten Stelle vom Fluss, wo wir unsere Kanus für die Wasserfahrt bereit machten.

Wir waren im letzten Herbst an der gleichen Stelle und damals hatte es viel weniger Wasser resp. wir hatten viel mehr Platz am Ufer, um unsere Kanus aufzublasen. Trotzdem sah der Fluss – entgegen meinen Befürchtungen – gar nicht so furchteinflössend aus, wie ich es erwartet hatte. So pumpten wir Luft in die Kanus, packten die Rucksäcke in Abfallsäcke (Spritzwasser!) und zurrten sie mit den mitgebrachten Schnüren am Kanu fest. Vor der Abfahrt gönnten wir uns noch einen Snack aus selbstgebackenen Brot und Roast Beef – yammi, das war vielleicht lecker!

Frisch gestärkt kamen wir also zum nächsten Programmpunkt: Kurze Paddeleinführung durch Oliver und Strategiebesprechung, falls etwas schief gehen würde (= kentern). Oliver und Lucy fuhren im Doppelkanu voraus (Oliver war den Fluss vor knapp zwei Wochen gefahren, als wir uns bei meiner Anreise getroffen haben) und würden nach der ersten Kurve und den ersten Stromschnellen warten. Danach folgte Christian und ich machte das Schlusslicht. Ich war schon etwas nervös – wenn auch nicht ganz so sehr, wie befürchtet. Nachdem Christian hinter der Rechtskurve verschwand, stiess ich mich also mit dem Paddel ab und verfolgte die besprochene Linie auf der rechten Flussseite. Das kleine Packraft ist extrem wendig und hüpfte im welligen Wasser auf und ab. Hui, das machte schon mal Spass!

Als ich um die Kurve kam, sah ich die beiden Kanus bereits auf mich warten. Ich hielt mich weiter auf der rechten – eher ruhigeren Seite – und zog erst nach den Stromschnellen links rüber ins Kehrwasser. Bei diesem Manöver schaufelte ich mir mit dem Paddel gleich selber einen ganzen Wasserschwall ins Kanu – und direkt in den Gummistiefel rein 😅 Naja, wenn man erstmal nass ist…

Die Fahrt ging gleich weiter. Oliver und Lucy vorneweg, Christian hinterher und ich liess mich dann auch von der Strömung weitertragen. Es gab noch ein paar tolle Abschnitte mit ein bisschen Action aber mehrheitlich war es dann ein richtig gemütliches flussabwärts-gleiten.

Sieben Kilometer lang windet sich das Flüsschen durch eine Landschaft, die kitschiger nicht sein könnte. Hohe, dunkle Tannen säumen den Fluss, Kiesbette laden zu Pausen ein (nein, so viel Zeit hatten wir nicht) und man erwartet jederzeit, dass Bär, Elch und Wolf einen aus dem Wald überraschen. Leider (oder zum Glück??) haben wir keine Tiere gesehen.

Nach gefühlt viel zu kurzer Zeit kamen wir bereits in das etwas breitere Delta zum Frances Lake. Die Strömung liess nach und schlussendlich mussten wir wieder für jeden Meter paddeln. So setzten wir quer über den See über zu Joe und Nadynes Hütte. Wir wollten dort hallo sagen und wer weiss, vielleicht würde es auch einen Kaffee geben ☺️

Unsere Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Joe, Nadyne und ihr Besuch, Theresa, waren alle daheim und luden uns auf einen heissen Kaffee / Tee ein und servierten selbstgemachte Cookies – wenn das kein 6er im Lotto ist da draussen 😎 Wir plauderten gemeinsam für rund eine Stunde, bevor wir uns langsam verabschiedeten, da unser Weg noch weit war. Angefangen mit dem Frances River, wo wir unser Abendessen einsammeln wollten. Also zückte Oliver die Fischerrute und wir liessen uns Stück für Stück den Fluss hintertreiben, während er angelte.

Schon während der Fahrt hat er die eine oder andere Äsche aus dem Wasser gezogen. Einzelne hatten das Glück, sich noch vor dem Schlag auf den Kopf selber zu befreien, die anderen wanderten in den mitgebrachten Sack (luftdichte Verpackung!). Mittlerweile kennen wir die guten Fischerspots und so stoppten wir noch auf einer Kiesbank, die vorgelagert ein tolles Becken hat, indem sich unzählige Äschen tummeln. Oliver und Chrstian wechselten sich ab und fingen noch ein paar Fische. Schlussendlich drängte die Zeit doch etwas und wir entschieden, nun genug Fisch für vier Personen zu haben (hat man je „genug Fische“?!), so dass wir uns auf den letzten Flussabschnitt machten, bevor wir den Blinker für unseren Seitenarm setzten.

Nachdem es in den letzten Tagen nicht mehr so viel geregnet hatte, war der Wasserstand bereits etwas tiefer als bei meiner Ankunft und so mussten wir etwas durch die Untiefen navigieren, schafften es dann aber doch gut an Land. Im Matsch und zwischen Wolfspuren packten wir unser Gepäck zusammen. Die Boote wurden wieder an die Rucksäcke geschnallt, die Paddel zusammengelegt und die Schwimmwesten obendrauf gepackt. Los ging es für die letzten sechs Kilometer des Tages.

Abschnitt für Abschnitt wanderten wir über den altbekannten Trail. Wenn man morgens Früh mit dem Trail startet, ist er nicht sehr anstrengend, wenn man aber schon einige Wanderkilometer und einen langen Tag hinter sich hat, zieht sich die Strecke dann doch. Auf jeden Fall wurde es langsam still in unserem Grüppchen. Jeder konzentrierte sich darauf, die Kräfte einzuteilen und Schritt für Schritt dem Feierabend entgegenzuwandern. Wir nahmen beim Abzweiger im Wald die linke Spur, um auf dem Landweg zur Hütte zu gelangen. Hier gibt’s nochmals ein paar sehr sumpfige Stellen und ich hatte keine Lust mehr, aufzupassen. Also marschierte ich quer drüber, holte nasse Füsse – aber das war mittlerweile auch schon egal. Als wir endlich auf den letzten Kilometer – wieder der schöne Wandertrail – einbogen, war der Stalldrang gross. Gefühlt rannten wir zurück zur Hütte – mit nur einem kleinen Stopp bei der Wildtierkamera für ein kurzes Fazit, bevor wir nach rund 12 Stunden unterwegs und total 30 zurückgelegten Kilometern bei der Hütte ankamen. Die Freude war gross – unser Besuch hatte die Yukon-Taufe mit Bravour gemeistert! 😎

Ferien-Leben am Rosie Lake

Natürlich kamen das „Leasure-Life“ und die ruhigen Momente auch nicht zu kurz. Es gab genügend Platz für ein Kanuründeli auf unserem See oder auch für eine gemütliche Apéro-Zeit auf der neuen Plattform. Ausserdem haben wir einige späten Nachmittage und frühen Abende in der Sauna verbracht und hatten viel Spass beim Abkühlen im See. Christian hat sich hier als der Stärkste von allen bewiesen – ist er doch jedes einzelne Mal mit einem grossen Platscher direkt vom Steg ins Wasser gesprungen! Unser Respekt bei einer Wassertemperatur von rund 12 – 14 Grad sei ihm gewiss! 🥳 (Bildmaterial leider nicht vorhanden 😂)

Ausserdem wurde fein gekocht und gefischt (Oliver hat seine Wettschulden bei Lucy, wie viele Würfe er bis zum ersten Fisch-Fang brauchen würde, direkt noch in Whitehorse im Starbucks beglichen, Christian und ich waren Nutzniesser davon 😎), wir haben Brot und Kuchen gebacken und Popcorn gepoppt und kiloweise frische, süsse Preiselbeeren aus dem Wald getragen. Diese passen zu allem: Porridge, Müesli, im Salat, sogar in der Pastasauce – überall häts Cranberries drah.
Ausserdem haben wir Nordlichter gejagt (und auf Kamera eingefangen) und fleissig die Wildtierkameras bewirtschaftet. Einige Vierbeiner sind uns in die Falle getappt – seht selber, welche Mitbewohner wir in unmittelbarer Umgebung zur Hütte haben 😍

Mehr Tierbilder findest Du hier…

Time to say Goodbye 😔

Leider vergeht vor allem die schöne Zeit viel zu schnell – und so war es allzu bald an der Zeit, sich mit der Rückreise zu beschäftigen. Drei Tage vor der geplanten Abholung nahmen wir Kontakt mit Alpine Aviation auf und fragten nach, ob alles wie abgemacht klappen würde. Janet schrieb uns zurück, dass der Sonntag leider „nicht fliegbar“ aussieht – das war entgegen unseren Erwartungen, hätten wir anhand des Windy-Apps eingeschätzt, dass ein Flug möglich sein sollte.
Allerdings wollten wir kein Risiko eingehen, da unsere internationale Reise am Montag Morgen um 5:00 Uhr losgehen sollte. Also sagten wir – etwas zähneknirschend – zu, uns schon am Samstag Mittag abholen zu lassen. Der Freitag stand somit ganz im Zeichen der Vorbereitungsaufgaben. Wir arbeiteten die möglichen Punkte auf der Abreise-Checkliste ab und schraubten Paneele an die Fenster, putzten das Kaminrohr und entsorgten die Asche aus dem Ofen. Wir räumten die Sauna auf, verbrannten den letzten Abfall, deckten das Holzlager wo nötig ab und fotografierten die Lebensmittel, damit wir beim nächsten Besuch die Einkaufsliste planen können.

Inzwischen war es richtig herbstlich geworden, die Farben leuchteten in gelb, orange und pink und der Herbstwind fegte fast jeden Tag über uns hinweg. Der See war oft aufgebauscht und die Wellen platschten bei Südwind heftig an den Steg. Unbeirrt machten wir mit unserem Programm weiter und genossen den letzten Abend doch noch mit einer Sauna, obwohl der nächste Tag früh losgehen sollte.

Noch im Dunkeln kochte Oliver Wasser für Kaffee und Tee und langsam, aber sicher erwachte die Crew für die letzten Arbeiten. Wir zogen die Bettwäsche ab und verstauten die Duvets in ihren Packsäcken im Schrank. Wir deckten die Betten, das Sofa und den Sessel ab und versorgten das Tischtuch, das es mirakulöserweise ohne Flecken durch die sechs Wochen Anwesenheit geschafft hat. Das WC wurde ausser Betrieb genommen und geputzt, das WC-Entsorgungs-Loch im Wald hinter dem Haus zugeschüttet und die letzten Paneele an die Fenster geschraubt. Nun war es richtig dunkel im Haus wir hantierten mit unseren Stirnlampen weiter. Auch der Wintergarten war jetzt verschlossen und der Holzvorrat inkl. Spänli soweit aufgefüllt, dass Oliver und ich im Winter, wenn wir bei eisigen Minustemperaturen wieder kommen, gleich mit dem Einheizen starten können.

Ganz zum Schluss hatten wir noch rund eine halbe Stunde Zeit bis zur geplanten Abholung und Lucy und ich gingen nochmals in den Wald, um ein grosses Glas Preiselbeeren zum Mitnehmen (Cranberries to go, sozusagen) zu sammeln. Schon kurz nachdem wir aus dem Wald zurückkamen, hörten wir das Flugi näher kommen. Schnell waren die letzten Handgriffe erledigt und das Tür-Paneel angeschraubt. Oliver platzierte noch die Schneeschaufel vor der Eingangstüre (auch in Vorbereitung für die Winter-Ankunft) und schaltete die Wildtierkameras ein. So, nun sollte wirklich an alles gedacht sein.

Tom, ein Pilot, den wir noch nicht kannten, holte uns ab. Wir luden das ganze Gepäck ins kleine Flugzeug, das durch die Wellen synchron mit dem Steg auf und ab schwappte. Wir waren wohl eher an der oberen Gewichtsgrenze, aber der Takeoff hat gut geklappt, nachdem Christian bei einem windbedingt eher unkonventionellen Ablegemanöver vom Steg mithelfen durfte (musste?!).

Obwohl es am Rosie Lake ziemlich windig war, zeigte sich der Reiseflug dann mehrheitlich sehr angenehm. Wir flogen an einer Schlechtwetterkante nördlich von uns entlang, im Süden war das Wetter aber ganz passabel. Durch den Gegenwind brauchten wir ziemlich genau zwei Stunden bis Whitehorse und kaum kamen wir durch den „Gap“ – eine Senke zwischen zwei Bergen – kam die Kleinstadt in Sichtweite, der Verkehr auf der Funkfrequenz nahm zu und ab da geht es immer schnell bis man auf dem Schwatka Lake südlich der Stadt auf dem Wasser aufsetzt.

Bis zum Anlegen am Alpine Aviation Steg hat alles super funktioniert. Komischerweise war aber niemand da, um den Flieger „in Empfang zu nehmen“, heisst, die Leinen zu nehmen und festzumachen, obwohl es ziemlich windig war. Also tuckerten wir nochmals einen kleinen Kreis, um etwas Zeit zu gewinnen, falls doch noch jemand helfen würde. Tom fackelte danach nicht lange und beim Herangleiten an den Steg kappte er die Motorenleistung und liess den Flieger im Leerlauf zum Steg gleiten. In der Zwischenzeit sprang er aus dem Cockpit und musste über den vorderen Teil der Floats über das dünne Kabel vor dem Propeller durchbalancieren, um auf die andere Seite des Fliegers zu kommen (die Türen sind auf dieser Seite). Das ging zwar alles sehr schnell – aber immer noch zu langsam. Der Wind drückte das Flugzeug innert wenigen Sekunden auf den vorne am Steg festgezurrten Flieger – was denkbar ungünstig ist. Tom zögerte keinen Moment und sprang vom Flugi an Land – leider reichte es um einen halben Meter nicht und er landete mit einem lauten Platscher im kalten Wasser!

Das windige Wetter an diesem Tag war alles andere als einladend für ein Bad im Schwatka Lake und wir beeilten uns, das Gepäck auszuladen. In der Zwischenzeit war Janet, die Chefin, gekommen und wunderte sich, wo ihre diversen „Deck-Hands“ sind. Bis vor wenigen Minuten waren wohl noch drei Angestellte da, die sich aber ohne ein Wort aus dem Staub gemacht hatten und deshalb niemand für die Leinen da war. Sie entschuldigte sich bei Tom und sah zu, dass er sich so schnell wie möglich umziehen und Feierabend machen konnte.

Für uns blieb noch der bittere Teil der Reise: Die Begleichung der Flugkosten 😕 Allerdings ist nach dem Fliegen auch immer wieder vor dem Fliegen und wir haben die nächsten Flüge bei Alpine Aviation schon wieder gebucht 😉

Wir nutzten den zusätzlichen Tag in Whitehorse, um dem Wildlife Preserve einen Besuch abzustatten. Dieser Tierpark liegt ca. 30 Minuten nördlich von Whitehorse und ist vor allem im Herbst eine tolle Möglichkeit, den Nachmittag zu verbringen, Tiere zu beobachten und gleichzeitig rund fünf Kilometer durch die bunten Yukon-Farben zu schlendern.

Ausserdem genossen wir ein kleines Starbucks-Dessert, um die Wettschulden von Oliver zu tilgen und besuchten noch Walmart und den Liquor-Store (Christians Whisky-Sammlung wollte erweitert werden). Später trafen wir Tom und Angela, unsere Freunde in Whitehorse, im Restaurant für ein gemeinsames Abendessen, bevor wir uns nicht allzu spät verabschiedeten. Wie schon erwähnt, der Flug am nächsten Morgen sollte um 5 Uhr starten – der Wecker wurde also um 2:30 Uhr gestellt…

Dank des Mietautos, das wir kurzfristig per Starlink von Rosie Lake aus reserviert hatten, brauchten wir kein Taxi, sondern konnten nach einem schnellen Tankstopp direkt zum Flughafen fahren. Es war bereits einiges los, aber das Einchecken und die Sicherheitskontrolle gingen schnell – so gross ist der Flughafen Whitehorse ja nicht. Wir verschliefen den Flug nach Vancouver und hatten auch nach der Landung keinen Stress. Unser Anschlussflug sollte erst abends gegen 17 Uhr abfliegen. So tranken wir noch gemeinsam im Terminal einen Kaffee und machten uns danach auf den Weg in die Stadt. Nach der halbstündigen Metro-Fahrt spazierten wir in einem noch sommerlich warmen Vancouver am Hafen entlang, bestaunten die grossen Kreuzfahrtschiffe und liessen uns mit der Masse Richtung Stanley Park treiben – ein krasser Kontrast zur Ruhe und Einsamkeit am Rosie Lake. Zumindest Oliver und ich hätten viel gegeben, gleich wieder Richtung Norden zu fliegen und den Trubel gegen die Ruhe einzutauschen…

Nach einigen Stunden war es Zeit, langsam wieder zurück zum Bahnhof zu gehen und die nächste Metro zum Flughafen zu schnappen. Wir wollten die restliche Zeit bis zum Abflug noch in der Lounge verbringen – was wir nach kleinen Einlass-Schwierigkeiten dann auch getan haben.
Der Rest der Reise ist schnell erzählt. Rund neuneinhalb Stunden Lufthansa-Vergnügen später landeten wir in Frankfurt, machten die Einreise in die EU (Schweizer Pass-sei-Dank in sehr viel kürzerer Zeit als viele andere Passagiere aus allen Herren Ländern) und dann war es endgültig Zeit, auf Wiedersehen zu sagen. Lucy und Christian stiegen in den Flieger nach Zürich, Oliver und ich zogen die gewohnte Schlaufe via Barcelona (inkl. Gepäck holen und neu einchecken). So bringt man den Tag auch rum…

Schön ist es aber, wenn zum Schluss alles nach Plan klappt – was es auch dieses Mal wieder hat – und wir mit wunderbaren Erinnerungen an alle unsere kleinen und grossen Herbst-Rosie Lake-Abenteuer im Gepäck wieder daheim sind (und den Jetlag ausschlafen 😅).

Danke, Lucy und Christian, für die lässige Zeit mit euch am Rosie Lake – schön, dass ihr unsere Gäste wart! ❤️

4 Gedanken zu „Rosie Lake | Kleine und grosse Herbstabenteuer“

  1. wiederum ein toller Bericht vom Rosie Lake und Gratulation an dich für deine einsame Anreise durch die Wildnis – Respekt!
    Freuen uns schon auf die nächste Story vom Yukon.
    Liebe Grüsde und macheds guet…
    Walti&Rita

  2. so schön. Ich bin denn Sommer/Herbst 2027 dabei aber ohne paddeltour, direkt zum Haus bitte!
    Na ja, schöner Bericht, tolle Bilder und Filmen.
    Und toll dass alle 4 wohl nach Hause gekommen sind ❤️❤️

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